Vogelpark Steinen

Im August 2004 besuchten wir den Vogelpark Steinen ein zweites Mal. Hier unsere Eindrücke... Übrigens: Wen es interessiert, was unsere Meldung beim zuständigen Regierungspräsidium ergab, kann es hier nachlesen! Bitte versprecht euch nicht zuviel...

Oktober 2003

Der Vogelpark Steinen liegt zwischen Freiburg und Basel. Er beherbergt neben Greifvögeln, Kranichen und Berberaffen auch Papageien, auf die wir an dieser Stelle das Augenmerk legen wollen. Besucht haben wir den Vogelpark das erste Mal im Oktober 2003. Bei diesem Besuch sind folgende Eindrücke und Bilder entstanden. 

Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen

Sehr übel waren auch die ausgestellten und gestutzten Amazonen, die im Eingangsbereich in einer Art Holzhütte saßen. Für den wissensdurstigen Besucher war ein Schild aufgestellt: "Hallo! ich heiße Leo und bin eine echte 'Gelbstirnamazone' - etwas sprechen kann ich auch schon: - Leo - Beo - 1 - 2 - 4 - 9 - ich bin lernbegierig, hilfst du mir?" Auch ein gerupfter Graupapagei war auf die gleiche Art ausgestellt, allerdings mit dem Hinweis "Achtung Vögel picken". Auf seinem Schild erfuhr der Besucher außerdem: "Du darfst Vasco zu mir sagen, ich bin ganz lieb, telefonieren ist für mich kein Problem, ich kann noch viel mehr!"

Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen

Unser Tipp: Für Papageienliebhaber hat der Vogelpark Steinen in meinen Augen wenig zu bieten!  Wir selbst streben jedoch einen weiteren Besuch an, um unsere gewonnenen Eindrücke gegebenenfalls zu verifizieren / falsifizieren. Die neuen Erkenntnisse werden dann an dieser Stelle aufgeführt.

August 2004

Bei strahlendem Sonnenschein und heißen Temperaturen besuchten wir den Vogelpark Steinen ein zweites Mal. Wohl auf Anfragen einiger Besucher hatten die Parkbesitzer den zwei Amazonen und dem Graupapagei im Eingangsbereich eine Lebensgeschichte 'gebastelt', die wohl das Mitleid einiger Parkbesucher erregen mag, die aber ganz und gar nicht dazu ausreicht, die entsprechenden Haltungsbedingungen zu legitimieren.

Die Aragruppe saß beim zweiten Besuch ohne adäquate Schattenmöglichkeit in prallster Sonne. Zwei Gelbbrustaras und ein hellroter Ara hatten sich dabei an einen winzigen Schattenplatz in Bodennähe geflüchtet. Ein sehr unwürdiger Ort für diese stolzen Vögel! Definitiv konnten wir bei unserem zweiten Besuch feststellen, dass der Zugang zum 'Innenraum' geschlossen war: Hier hätte den Aras zumindest ein schattiger, möglicherweise auch kühlerer Raum zur Verfügung gestanden. Ein Futter- und Obstangebot auf der "Ara-Insel" konnten wir nicht ausmachen; die Insel ist allerdings zu unübersichtlich, als dass wir mit Sicherheit dessen Mangel annehmen könnten. Als Trink- und Bademöglichkeit wird den Aras der Ententeich dienen, der den 'Ara-Freisitz' umgibt; über die Wasserqualität können wir nur hier mutmaßen... Frische Äste standen den Aras in Bodennähe in Form von kleinen Sträuchern und Büschen zur Verfügung; diese Büsche stellten im übrigen auch - je nach Sonnenstand - einen wichtigen Schattenspender dar.

Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen

Die Voliere für Graupapageien (Timnehs und Kongos) sowie für zwei Mohrenkopfpapageien wies sehr wenig Schatten auf. Auf natürlich Schattenspender, wie frische Bäume und Sträucher, wurde hier zum Leidwesen der Tiere verzichtet. Spielzeug oder andere Beschäftigungsmöglichkeiten konnten wir in dieser tristen Voliere nicht ausmachen. Als Trink- und Bademöglichkeit stand den Tieren ein recht ungepflegtes kleines Bodenbassin zur Verfügung; das Wasser wirkte verschmutzt. Die Rückzugsmöglichkeit in den Innenbereich war verschlossen.

Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen

Im Tropenhaus herrschte - wie im Oktober auch - ein feuchtes Klima; die Luft war abgestanden und roch schimmlig. Das Obst für die Weichfresser war - im Gegensatz zum letzten Besuch - appetitlich. Sehr traurig und farblos wirkte die Voliere für die Edelpapageien. Die nackte Betonwände waren mit grünen Flechten überzogen. Frische Äste suchten wir vergeblich. Das Futter und Obst wurde in Gefäßen auf dem Boden angeboten. Das Gitter, mit dem die Voliere verkleidet war, ist m.E. für Finkenvögel und Kolibris, nicht aber für Großpapageien angemessen. Man beachte neben den grünen Flechten auch die Spinnennetze...
Ebenfalls im Tropenhaus befindet sich die gemeinsame Voliere für einen Hyazinthara und einen dunkelroten Ara. Diese Voliere stellte in meinen Augen den Gipfel der Tristesse dar: weder frische Äste, noch Spielzeug - blinde Fensterscheiben, Futter- und Wassernäpfe am Boden, kein Obstangebot erkennbar, die Holzdecke mit Spinnweben verhangen, insgesamt eine dunkle und ungepflegte Angelegenheit. Zum Spielen hatte sich der dunkelrote Ara einen Stein vom Boden geholt, an dem er herumknabberte. Sehr traurig...

Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen
Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen Vogelpark Steinen

Die begehbare Voliere für die Nymphensittiche und Wellensittiche war optisch wohl eine der besten Anlagen des Parks - üppig bepflanzt und schön hergerichtet. Lediglich die besucherverarschenden Informationstafeln, auf denen beispielsweise die "Familie Hansi" die Besucher willkommen hieß oder sich "Familie Federli" mit Zufriedenheit über ihr "prächtiges Zuhause" im Vogelpark Steinen äußerte, waren nicht so ganz nach unserem Geschmack.

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Abschließend möchte ich noch jeden Besucher vor einer Teilnahme an der Flugschau im Vogelpark Steinen warnen: Wir selbst nahmen an einer Vorführung teil, durchgeführt durch den Junior-Chef. Dieser verstand es nicht, den Besuchern das Wesen der Greife nahe zu bringen. Stattdessen versuchte er mit marktschreierischen Methoden sowohl Publikum als auch Greife anzuheizen. Ob es von einem Falkner klug und sinnvoll ist, das Beutefleisch direkt ins Publikum bzw. über einen Kinderwagen zu werfen, bezweifle ich stark. Teilweise war die Flugschau zumindest für uns und wahrscheinlich auch für den einen oder anderen Elternteil beängstigend. Im Vergleich zu unseren bisherigen Besuchen in seriösen Falknereien kamen uns die Greife im Vogelpark Steinen sehr ausgehungert und aggressiv vor. Zum Schluss tummelten sich gleichzeitig sechs Greife, ein Kakadu und ein Storch auf dem Schauplatz, angeführt von lediglich einem 'Falkner'. Ob dieser zu jedem Zeitpunkt alles unter Kontrolle hatte, wage ich zu bezweifeln. Der Kakadu jedenfalls fühlte sich m.E. sichtlich unwohl unter so vielen Fressfeinden. Auch die sechs Greife schienen sich alles andere als freundlich gesinnt. Insgesamt kann ich die ganze Flugvorführung lediglich als reines Chaos und als puren Dilettantismus bezeichnen und jedem davon abraten. Aufgrund der hier beschriebenen Zustände im Vogelpark Steinen alarmierten wir am nächsten Tag das zuständige Regierungspräsidium. Man darf gespannt sein, was die Untersuchungen ergeben...

Ergebnis unsere Meldung auf dem Regierungspräsidium Freiburg / September 2004

Einige Wochen nach unserer Meldung auf dem Regierungspräsidium Freiburg erkundigten wir uns nach den Ergebnissen. Laut Aussagen der zuständigen Stelle sei sowohl die Vogelhaltung als auch die Flugshow absolut korrekt. Beim Falkner würde es sich um einen kompetenten Menschen handeln, der zu jedem Zeitpunkt der Flugvorführung alles im Griff gehabt hätte. Dass der Kakadu während der Flugshow mit den Greifvögeln in Panik gewesen sei, konnte ebenfalls nicht bestätigt werden. Vielmehr sei es so, dass der 'Falkner' dies immer (!) so handhabe. Käfige und Futter seien zudem in bester Ordnung gewesen. Man könne unsere Beschwerden also in keinster Weise nachvollziehen... Soweit, so gut - auch unsere Recherchen im Internet und in den Papageienforen ergaben ein positives Bild des Vogelparks Steinen. Vielleicht haben wir ja nur zwei 'schlechte' Tage erwischt??? Keine Ahnung!