Loro Parque Fundación - Aufzuchtstation La Vera 2004
Am 2.11.2004 hatten wir die Möglichkeit, die Aufzuchtstation der Loro Parque Fundación zu besichtigen. Diese befindet sich einige Kilometer vom Loro Parque entfernt in La Vera. Hier befindet sich der Großteil der über 3.000 Papageien der Stiftung. Im Loro Parque selbst wird im übrigen versucht, von möglichst allen Papageienarten ein Paar zu präsentieren.
Die Papageien in La Vera sind - entsprechend ihres natürlichen Lebensraumes - in zwei unterschiedlichen 'Arealen' untergebracht:
- Im Areal mit dem blauen Netz leben Vögel aus den Kontinenten Australien, Indonesien / Asien und Afrika. Hier herrschen dieselben Licht- und Temperaturverhältnisse wie auf Teneriffa.
- Im Areal mit dem schwarzen Netz dagegen leben neotropische Papageien- und Sitticharten: Diese Papageien leben in der freien Natur größtenteils in geschlossenen Wäldern. Das schwarze Netz absorbiert dementsprechend ca. 40-50% des UV-Lichtes. In diesem Areal herrschen recht hohe und konstante Temperaturen. Auch die Luftfeuchtigkeit ist hier recht hoch. Hier leben Papageien und Sittiche aus Südamerika, aber auch Keas und Borstenkopf sind hier vertreten.
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Die Netze wurden aus folgenden Gründen installiert:
- Schutz vor einheimischen Vögeln und deren Parasiten.
- Schutz vor einheimischen Raubvögeln wie Falken.
- zusätzliche Sicherung, um ein Entweichen der Papageienvögel in die freie Wildbahn zu verhindern.
- Vor dem Betreten der einzelnen Areale werden die Schuhsohlen desinfiziert.
Areal mit dem blauen Netz
In dieser Einheit befindet sich: Kakadus, asiatische Papageien und Sittiche, australische Sittiche, afrikanische Papageien und Loris. Die Papageien leben hier paarweise (ggf. mit Jungtieren) in geräumigen Volieren. Die Kakadu-Volieren haben beispielsweise eine Größe von ca. 11*1*3 m. Nur im vorderen Teil haben die Papageien Blickkontakt zur Nachbarvoliere. Hier befindet sich auch die Futterstelle. Der Rest der Voliere ist schön eingewachsen und bietet einen natürlichen Sichtschutz zur Nachbarvoliere. Die Pflanzen sind dabei natürlich nicht toxisch für die Papageienvögel: Sie wachsen auch in die Volieren hinein. Die Papageien können sie hier dann benagen.
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Der Boden der Volieren besteht aus Material vulkanischen Ursprungs. Dieses ist gut zu reinigen. Zudem saugt sich das Material gut mit Wasser voll und erhöht so die Luftfeuchtigkeit. Pro Voliere ist eine Besprenkelungsanlage installiert. Als Voliereneinrichtung dienen: Naturäste und Seile, Mineralsteine, Schaukeln, Holzspielzeug und Pflanzen. Pro Voliere wird mindestens ein Nistkasten angeboten. Die Nistkästen variieren je nach Papageienart.
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Bei den Loris werden hauptsächlich schräge Nistkästen angeboten, bei denen ein Teil des Kastenbodens lediglich aus einem Netz besteht. So wird der flüssige Lori-Kot problemlos entsorgt. Wie man zudem sehen kann, leben die Loris in Hängevolieren mit einer Größe von 3*1*1m; der Boden der Hängevolieren befindet sich ca. 1,2 Meter über der Erde. Diese Hängevolieren ermöglichen eine schnelle und effektive Reinigung des Bodens. Die Loris in der Aufzuchtstation erhalten regelmäßig frische Hibiskusblüten. Die Hibiskussträucher sind zwischen den Volieren als Sichtschutz angepflanzt. Laut Reinschmidt (Papageien 8/2004, S.266f) bieten Hibiskusblüten in mehrfacher Hinsicht eine gute Abwechslung: Sie enthalten zum einen einen Tropfen Nektar, zum anderen liefern sie auch frische Pollen. Zudem werden die Blüten auch als Spielobjekt benutzt.
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Im Areal mit dem schwarzen Netz
Hier leben südamerikanische Papageien, wie Aras und Amazonen, sowie Keas und Bostenkopf. In dieser Einheit existiert eine dichtere Bepflanzung. Dies soll dem natürlichen Habitat der Papageien entsprechen. Die Volieren selbst sind ähnlich aufgebaut, wie bisher beschrieben (Bodenbelag, Spielzeug, Volieren-Einrichtung...). Lediglich existieren hier meiner Erinnerung nach keine Hängevolieren.
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Zudem gibt es in dieser Einheit sehr große Verpaarungs- und Vergesellschaftungsvolieren. Hier werden beispielsweise verschiedene Papageien derselben Art zusammengesetzt, um ihnen eine freie Partnerwahl zu ermöglichen. Laut diversen Literaturangaben haben die verschiedenen Verpaarungsvolieren Größen von 8*8*3 m oder 18*11*3m. Hier werden die Nistkästen in kleineren Einheiten angeboten. Hat sich also ein Paar gefunden und beginnt dem Brutgeschäft nachzugehen, ist es möglich, diese kleine Einheit mitsamt Nistkasten abzunehmen und an einer kleineren, unbesetzten Voliere zu installieren. Dies kann u.U. dann notwendig werden, wenn die brütenden Vögel durch die anderen Papageien in der Verpaarungsvoliere gestört oder abgelenkt werden.
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Auf unserem Rundgang durften wir den jungen Spix-Ara anschauen, der dieses Jahr am 9. Juni 2004 in der Aufzuchtstation der Loro Parque Fundación geschlüpft ist. Das Ei war einem zuverlässigen Paar Rotbugaras untergelegt worden, da es sich bei den Spix-Ara-Eltern um völlig brutunerfahrene Vögel handelte. Ab seinem 4. Lebenstag war der kleine Spix-Ara in die Handaufzucht genommen worden, da er von seinen Adoptiveltern zwar gefüttert, nicht aber ausreichend gehudert wurde. Das kleine Spix-Ara-Weibchen wurde mit einem gleichaltrigen Rotrückenara in die Handaufzucht genommen, um eine Fehlprägung auf den Menschen weitestgehend zu verhindern. Wir selbst konnten also das Spix-Ara-Weibchen und seinen Spielgefährten in einer Voliere sehen.
Allgemeines
Generell wird in der Aufzuchtstation versucht, Handaufzuchten zu vermeiden. Es wird stattdessen angestrebt, das Ei bzw. das Jungtier zuverlässigen Adoptiveltern unterzulegen, wie beim Spix-Ara-Weibchen beschrieben. Der Großteil der Handaufzuchten findet im Loro Parque selbst in der Babystation statt. Die Loro Parque Fundación strebt die Erhaltung eines reinrassigen Genpools an: Australische Sittiche beispielsweise werden zwar häufig von Privathaltern gehalten, es handelt sich hierbei jedoch meist um Mutationen.
Fazit
Wir waren sehr positiv überrascht von unserem Besuch in der Aufzuchtstation. Es ist eine topgepflegte und liebevoll gestaltete Anlage. Man gewinnt das Gefühl, dass hier der einzelne Vogel wichtig ist - es handelt sich also in keinster Weise um eine Art "Legebatterie", wie der deutsche Name fälschlicherweise denken lässt. Hier wird artgerechte Papageienhaltung auf höchstem Niveau betrieben - eine Optimierung der Haltungsbedingungen, was Nahrung, Paarbildung, Beschäftigungsmöglichkeiten etc. angeht, wird immer angestrebt. Wir selbst können interessierten Lesern eine Mitgliedschaft für die Loro Parque Fundación nur empfehlen. Wir selbst werden zukünftig auf jeden Fall Mitglied beleiben, hat uns doch die Arbeit und das Engagement der Stiftung überzeugt. Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle für die freundliche Führung durch Herrn Zamora!












