Loro Parque - Kindergarten 2004
Die handaufgezogenen Jungtiere aus der Babystation kommen, sobald sie sich ausreichend selbst versorgen können, in den Kindergartenbereich. Die Jungtiere werden dort noch eine Zeitlang zugefüttert (unten beschrieben). Der Kindergarten ist angrenzend an die Babystation und besteht aus drei großzügigen Volieren, ausgestattet mit Naturästen, Seilen, Futtertischen... Das Gitter selbst wird jeden Tag gründlich abgespritzt und gereinigt (Foto rechts). Auch der Boden wird täglich gesäubert.
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Am ersten Tag unserer Beobachtungen saß ein Großteil der Aras noch auf dem Boden. Im Laufe einer Woche unserer Beobachtung lernten die Vögel zuverlässig auf Seilen und Ästen zu sitzen. Lediglich wenn das Personal der Babystation kam, um das Futter zu ersetzen bzw. zuzufüttern, setzten sich hauptsächlich die Aras wieder auf den Boden und versuchten, das Personal von dieser Position aus um Futter und Zuwendung anzubetteln.
Die Vögel erhielten im Kindergarten neben Körnerfutter und Obst auch einen Futterkuchen, der vom Loro Parque selbst hergestellt wird (vgl. Künne, S.96).
Dieser Kuchen war bei den Jungtieren sehr beliebt.
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Im Kindergarten haben die Papageien die Möglichkeit, Sozialkontakte mit anderen Papageien zu pflegen: Sie können sich gegenseitig kraulen, miteinander spielen und den Raum für Flugübungen nutzen.
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Zufütterung
Wir beobachteten einmal ausführlich die Zufütterung im Kindergartenbereich (31.10.2004). Die zuständige Frau arbeitete hierzu in den einzelnen Volieren des Kindergartens: Sie tastete dem Großteil der Jungvögel den Kropf ab und fütterte dann mit Spritze gegebenenfalls zu. Was sich hier so einfach anhört, gestaltete sich in der Praxis recht schwierig: Die Vögel mussten teilweise mit dem Kescher durch die Voliere gejagt werden. Erst dann war eine Zufütterung möglich. Bei einem Teil der Vögel war ein solches Vorgehen dagegen nicht notwendig: Vor allem die Amazonen setzten sich auf den Eimer mit Babybrei und futterten los. Generell muss gesagt werden, dass der Grundgedanke des Kindergartens eigentlich gut ist: Die Vögel leben in großzügigen Volieren, sind Wind und Sonne ausgesetzt und werden durch ein reichhaltiges Futterangebot zum selbständigen Essen angeregt. Die Zufütterung mit Babybrei erfolgt nur noch bei den Vögeln, die sich noch nicht zuverlässig selbständig versorgen können. Scheitern tut das ganze aber in meinen Augen daran, dass hier pro Voliere schätzungsweise 20-25 Vögel saßen, und das Fangen des einzelnen Tieres teilweise recht lange dauerte. Die Auswirkungen auf das Gefieder habe ich weiter unten beschrieben. Darüber hinaus bedeutet das Fangen natürlich auch viel Stress und Unruhe für die Jungvögel, die auch schon durch die vielen Besucher des Parks ziemlich belastet sein dürften.
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Gefiederzustand der Jungvögel
Generell ist klar, dass diese Fangaktionen in hohem Maß für den Gefiederzustand der Papageien im Kindergarten mitverantwortlich sind. Aber auch durch Spielen am Gitter oder auf dem Boden geht ein Teil des Gefieders kaputt. Unserer Beobachtung nach ist das Gefieder eines Teils der Papageien bereits in der Babystation zerstoßen und abgebrochen. Stressbrüche im Gefieder konnten wir mehrfach feststellen.
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Amazone in der Babystation,
Stressbrüche deutlich erkennbar
Natürlich gab es im Kindergartenbereich und in der Babystation auch Jungvögel, die einen ordentlichen Gefiederzustand aufwiesen. Nicht bei alles Aras waren die Schwanzfedern zerstoßen.
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Ohne Schleuse...
Als problematisch empfand ich bei der Beobachtung der täglichen Fütterungs- und Reinigungsarbeiten die Tatsache, dass für das Betreten der Volieren des Kindergartens keine zusätzlichen Schleusen angebracht waren. Das Personal musste also beim Betreten der Volieren recht viele Jungtiere im Blick haben und ziemlich kreativ vorgehen. Das Problem wird natürlich noch durch eine dichte Besetzung der Volieren verschärft. Zu Beginn unserer Beobachtungen waren die Volieren recht gut besetzt mit ca. 20-25 Tieren. Am Ende unseres Urlaubs waren je Voliere nur noch 10-15 Tiere untergebracht. Je geringer die Anzahl der Tiere, desto leichter fällt es natürlich auch, den einzelnen Vogel im Blick zu haben. Natürlich kann man hier festhalten, dass die Jungvögel noch nicht sehr weit fliegen können und u.U. kein Interesse an Fluchtversuchen haben: Für uns selbst sah es auch eher so aus, als ob die Jungvögel sich Richtung Personal und weniger Richtung 'Freiheit' drängten. Dennoch ist dies natürlich bloße Interpretation... Durch geschickte Ablenkungsmanöver bahnte sich das Personal dennoch einen Weg in die Volieren. Da wurde zuerst ein Handschuh oder Eimer durch den Türspalt ins Innere der Voliere gelegt. Schon war ein Teil der Papageien mit diesem neuen Spielgegenstand beschäftigt. Auf dem Foto links sieht man beispielsweise den blauen Stab des Keschers in die Voliere fallen, mit dem sich die Amazonen dann ausgiebig beschäftigten.
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Abgabe in den Zoofachhandel
Wie schon im Verlauf dieses Berichts erwähnt, reduzierte sich die Anzahl der Papageien pro Voliere von ca. 20-25 Tieren auf 10-15 Vögel pro Voliere. Wir selbst gehen davon aus, dass der Großteil dieser Papageien an den Zoofachhandel abgegeben wurde. Ich verweise hier beispielsweise auf die Anzeige des KölleZoo im WP 6/2004, S.53: "Als Exklusiv-Partner des Loro Parque können wir ständig ca. 180 Arten wie Amazona albifrons, Ara macao, Ara militaris, Cacatua moluccensis, Psittacus erithacus, Pyrrhura perlata etc. anbieten. Unsere Krummschnäbel sind Handaufzuchten aus der Loro-Parque-Babystation und erfüllen die höchsten Gesundheitsstandards." Wir selbst kommen aus der Nähe von Stuttgart und so haben wir schon öfter den KölleZoo besucht. Schon bei diesen Besuchen machten wir uns Gedanken über den Gefiederzustand der jungen Papageien.
Abschließende Bemerkungen zur Babystation und zum Kindergarten
Artgerechte Haltung beinhaltet immer auch das Bereitstellen von Nistmöglichkeiten und das Ermöglichen eines Brutgeschäfts. Je optimaler die Bedingungen, desto besser der Bruterfolg. Klar ist dann auch, dass der Loro Parque ab einem gewissen Zeitpunkt die nachgezogenen Tiere nicht mehr behalten kann, sondern abgeben muss. Ob dies allerdings über Handaufzuchten, wie in der Babystation des Loro Parque beobachtet, sinnvoll und artgerecht ist, wage ich zu bezweifeln. Hier sollten in meinen Augen andere Wege beschritten werden:
- Ermöglichen nur noch einer Brut pro Jahr und Paar
- Ermöglichen von (menschgewöhnten) Naturbruten, die von den Eltern aufgezogen werden
- Keine erneute Anregung des Brutgeschäfts durch Übernahme von Eiern in den Inkubator bzw. durch Übernahme von Küken in die Handaufzucht
- Brutunerfahrene Vögel, die noch nicht mit ihren Eiern bzw. Jungvögeln umgehen können, sollten dies in einem Prozess ähnlich dem in freier Wildbahn erlernen. Das beinhaltet in meinen Augen dann auch das Absterbenlassen von Eiern und Jungtieren. Für Jungvögel sollte dann eine Art "Fristenregelung" festgelegt werden, ab welchem Zeitpunkt ein unzureichend versorgtes Küken in die Handaufzucht genommen bzw. Adoptiveltern untergelegt wird. Klar ist auch, dass das von mir genannte Vorgehen keine gefährdeten Papageienarten wie Spix-Ara oder Grenada-Amazone betreffen darf, bei denen es primär um den Aufbau einer Reserve-Population in Menschenobhut geht.
- ggf. Neuverpaarungungen von Papageien, wenn diese auch nach jahrelangen Bruterfahrungen keinen Nachwuchs selbständig aufziehen können
- Abgabe von menschgewöhnten Naturbruten an andere Zoologische Gärten, an kompetente Züchter und Halter und ggf. an den Zoofachhandel.
Inwieweit die genannten Lösungswege realisierbar sind bzw. bereits realisiert werden, vermag ich nicht zu sagen. Allerdings könnte durch die genannten Punkte wahrscheinlich ein Großteil der Handaufzuchten vermieden werden, wenn man den Ausführungen der kostenlosen Park-Broschüre Glauben schenkt: "Unsere Zielsetzung ist es, dass die neugeborenen Küken von den Eltern selbst aufgezogen werden, aber es kommt oft vor, dass unerfahrene Elterntiere, die noch nicht gelernt haben ihren Nachwuchs richtig zu versorgen, die Jungtiere vernachlässigen. Um diese Küken nicht zu verlieren, werden sie von uns in der Baby Station von Hand aufgezogen."
















