Loro Parque - Babystation 2004

In der Babystation des Loro Parque werden laut Loro Parque-Führer die Vögel per Hand aufgezogen, die von ihren Eltern verstoßen bzw. nicht ausreichend versorgt werden. Während unserer Besuche im Loro Parque beobachteten wir insgesamt 5x die Fütterung um 16.00 Uhr. Sie wurde von wechselnden Personen durchgeführt. Dabei haben wir die Fütterungen bis zu 1,5 Stunden beobachtet. Der Babybrei für die größeren Papageienarten und der Loribrei wurden dabei in der Babystation sehr sorgfältig vorbereitet. Auf Gewichtsverhältnisse und Temperatur wurde genau geachtet. Im Babybrei für die größeren Papageien werden beispielsweise ganze Maccadamia-Nüsse im Mixer zerhackt und mit dem restlichen Brei verrührt.
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Ein Teil der Jungtiere war dabei einzeln oder paarweise in Brutkästen untergebracht. Hierbei handelte es sich m.E. um die Jungvögel, die noch nicht ausreichend befiedert waren und bei denen deshalb auf eine konstante Temperatur geachtet werden musste. Die älteren Großpapageien waren einzeln oder paarweise (gruppenweise) in dunklen Tonnen untergebracht. Diese Tonnen sollen wohl die dunklen Nisthöhlen der Papageien simulieren. Zur Fütterung (Spritzenfütterung) wurden die Papageien meist herausgeholt. Die Tonne wurden dann auch gereinigt; das unten angebotene Obst und Futter wurde ausgewechselt. Wir konnten auch einmal beobachten, wie die Spritzenfütterung direkt in der Tonne stattfand...
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Kleinere Sitticharten waren in der Babystation gruppenweise in Käfigen untergebracht (geschätzte Größe ca. 0,7*0,5*0,5 m). Als Sitzmöglichkeit war hier ein Vierkantholz montiert. Wie lang die Vögel in diesen kleinen Behausungen untergebracht sind, können wir nicht mit Gewissheit sagen. Unserer Beobachtung nach kommen diese kleineren Sitticharten nicht in den angrenzenden Kindergartenbereich: Dieser schien mit wenigen Ausnahmen zumindest in unserem Besuchszeitraum nur den Großpapageien vorbehalten.
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Die Fütterung
Anbei seht ihr Bilder von der Fütterung eines Loris. An unserem ersten Beobachtungstag war er ca. 5 Tage alt. Für den Lori wurde ein spezieller Brei zubereitet. Die Fütterung erfolgte im 2-Stunden-Takt. Es wurde eine extrakleine Spritze mit zusätzlichem Aufsatz verwendet.
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Je nach Bezugsperson variierte sowohl die Dauer der einzelnen Spritzenfütterungen als auch die Art und Weise des Umgangs mit den Tieren.
- Wie schon beschrieben, konnten wir einmal eine Fütterung direkt in der Tonne beobachten. Ob dies zur Konzeption der Babystation gehört, bleibt dahin gestellt. Immerhin kann hier als Pro-Argument angeführt werden, dass auch die Papageieneltern ihren Nachwuchs in der Bruthöhle füttern würden. Für uns machte es dagegen eher den Eindruck: Kurz und schmerzlos!
- Auch konnten wir Fütterungen beobachten, denen in meinen Augen nur das Wort 'Abarbeiten' gerecht wird: Hier dauerte die Spritzenfütterung pro Vogel dann ca. 20 Sekunden. Gefüttert wurde m.E. sorgfältig nach Plan und Vorgabe, aber ohne auf die Stimmung des einzelnen Tieres einzugehen. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass die Papageien Angst vor der Spritze und der fütternden Person hatten. Der Brei wurde m.E. grob in den Schnabel gespritzt, teilweise ohne auf das Schlucken der Jungvögel zu achten. Ein Teil des Breis tropfte dann wieder heraus auf das Brustgefieder. Die Vögel wurden in unseren Augen recht unsensibel wieder in die Tonnen zurückgesetzt. War der Vogel gerade mit Flugübungen zugange, wurde darauf leider keine Rücksicht genommen. Ich denke, dass bei einem solchen Umgang durchaus ein Großteil des Gefieders zerstoßen und malträtiert wird.
- Auch konnten wir zwei Handfütterungen beobachten, in denen sich eine Dame der Babystation sehr viel Zeit für das einzelne Tier nahm: Es wurde mit den einzelnen Tieren geredet, teilweise sogar kurz gestreichelt. Ich hatte zudem das Gefühl, dass die Art der Spritzenfütterung dem einzelnen Tier gut entspricht. Auch das Zurücksetzen in die Tonnen erfolgte auf eine sensible und rücksichtsvolle Art. Teilweise wurde den älteren Papageien, die noch in der Tonne leben, auch Zeit für Flugversuche und zur Kräftigung der Muskulatur eingeräumt (zwei Palmkakadus).
Hier folgen jetzt verschiedene Bilder zur Handaufzucht in der Babystation:
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Im folgenden gibt es Bilder von der sensiblen Art der Handaufzucht... Leider kann ich bei den meisten hier gezeigten Bildern nicht sagen, um welche Kakaduarten bzw. Loriart es sich handelt.
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Durch den ständigen Wechsel der Bezugspersonen, wird in meinen Augen zumindest eine Fixierung auf eine Person vermieden. U.U. ist dies in der Konzeption der Babystation sogar so beabsichtigt. Hierzu fehlen mir leider genauere Informationen. Für einen Außenstehenden sieht der beschriebene Umgang mit den Jungvögeln jedoch recht grob und unsensibel aus. Zudem kann ich mir vorstellen, dass die Art und Weise der Handaufzucht auch einen immensen Stress für die Papageien bedeutet. Ich denke, dass sich dieser Stress auch ganz klar im Gefiederzustand der Jungtiere abzeichnet: abgebrochene Schwanz- und Schwungfedern, schmuddelig wirkendes Gefieder, Stressbrüche, zerstoßene Schwanzfedern... Hier gehe ich nochmals genauer auf diese Thematik ein.
Zusätzlicher Stressfaktor: Discovery-Tour
An dieser Stelle möchte ich auf die Discovery-Touren eingehen, die in meinen Augen ebenfalls einen immensen Stressfaktor für die Papageienküken und das Personal der Babystation darstellen. Im Winterhalbjahr finden pro Tag sieben Discovery-Touren durch den Loro Parque statt. Diese sollen 'einen Blick hinter die Kulissen' ermöglichen. Als ein Highlight werden die Teilnehmer abschließend zur Babystation geführt: Hier sollen sie ganz kleine Papageienbabys präsentiert bekommen. Diese Discovery-Touren sind sowohl für die Papageienküken als auch für das Personal eine ziemliche Belastung. Den Brei gerade frisch zubreitet, muss das Personal der Babystation alles stehen und liegen lassen und ganz kleine Küken aus den Brutkästen reißen, damit die mehr oder weniger interessierten Teilnehmer diese fotografieren können. Auch Handaufzuchten bzw. Fütterungen im Kindergartenbereich müssen unterbrochen werden, um den Teilnehmern der Discovery-Tour die kleinen Küken zu zeigen... Tatsächlich ist es bei unseren Beobachtungen vorgekommen, dass das Lori-Küken, gerade gefüttert und in den Brutkasten zurückgesetzt, innerhalb einer halben Stunde für zwei Discovery-Touren wieder 'herausgeholt' und präsentiert werden musste. Ein zusätzlicher Stressfaktor für das kleine Tier...
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