Poicephalus.de
Infoseite über Mohrenkopfpapageien
Verhalten Harry - männliches Streifenhörnchen

An dieser Stelle wollen wir unser männliches Streifenhörnchen Harry beschreiben. Harry wohnt seit November 2002 bei anderen Hörnchenbesitzer, die besser mit seinen Eigenarten umgehen können als wir.

Spiel

Wir erwarben Harry als Jungtier in einer Zoohandlung. Er war äußerst zahm und zutraulich und dies in einem Maß, wie Alice es nie gewesen war. Er spielte mit der Hand und schmiss sich regelrecht auf den Boden, um gekrault und gekribbelt zu werden. Diese Eigenschaft behielt er sich auch bei, wobei der Spiel-Charakter immer mehr einen kämpferischen Aspekt erhielt. Zum Schluss rollte sich Harry beispielsweise mit Tüchern oder Stecken auf dem Boden herum und sah einfach zu süß aus.

Freilauf

Problematisch empfanden wir allerdings die Situation bezüglich des getrennten Freilaufs: Wie schon beschrieben war ein gemeinsamer Freilauf von Harry und Alice nicht möglich. Auch ein getrennter Freilauf erwies sich als problematisch. Harry war Alice eindeutig in den Revierkämpfen unterlegen. Unter dem eingeschränkten Freilauf (mal Harry, mal Alice - durch die Vögel wurde der Freilauf noch reduzierter) begann Harry zu leiden. Schon von klein auf hatte er eine Stereotypie: Er rannte ununterbrochen ein- und dieselbe Runde im Käfig. Das Umgestalten des Käfigs brachte ihn nur kurzfristig von seiner Route ab. Auch beim Freilauf lief Harry übrigens immer wieder ein- und dieselbe Runde, diesmal über ein kniehohes Möbelstück oder er suchte auch während des Freilaufs gezielt den Käfig auf, um seine Runde zu laufen. Diese Situation war für uns zum Schluss aus zwei Gründen beinahe unerträglich:

  • Wir hatten zum einen ein chronisch schlechtes Gewissen, da wir Harry nicht mehr Freilauf bieten konnten und auch wollten. Harrys Stereotypie machte uns dies ganz bewusst, dass ein Tierchen wie er nicht in kleine Käfige gehört...
  • Zum zweiten war mit dem ständigen Runden-Drehen ein immenser Geräuschpegel verbunden: Gitter hoch, aufs Futterbretter gesprungen und zurück... Von Frisch schreibt dazu auf S.6 bezüglich Hörnchenhaltung in einer Einzimmerwohnung (und ich möchte dies auf größere Räumlichkeiten erweitern!): "Und dann [...] kann das ständige Hin und Her, das Knispern, Knabbern, Nagen und Kraspeln auch die stärksten Nerven mit der Zeit belasten."

Reinlichkeit

Da wir bei Alice auf das Thema Reinlichkeit eingegangen sind, möchten wir dies auch an dieser Stelle tun: Harry war (und ist) ein sehr reinliches Tier, allerdings nach seinen Kriterien. Sein Geschäft verrichtete er immer hängend am Gitter, d.h. er pieselte in einem großen Bogen aus dem Käfig hinaus. Dieser Problematik wurden wir Herr durch Plexiglasfronten links, rechts und an der Hinterfont des Käfigs und täglich einer großen Menge Klopapier, das wir am unteren Teil des Plexiglases zwischen Plexiglas und Käfiggitter klemmten. Trotz täglichem Putzen roch das gesamte Wohnzimmer immer nach Harrys Urin, mit dem er sein Revier gegenüber Alice markierte.


Paarungszeit

Während der Paarungszeit ließen wir Alice und Harry nie zusammen, da wir keinen Streifenhörnchen-Nachwuchs wollten. Harry reagiert in dieser Zeit mit Erregung auf die Pfeifkonzerte von Alice: Seine Runden im Käfig wurden dann noch schneller und wilder.
Bei Männchen zeichnen sich in der Paarungszeit im übrigen die beide Hoden zwischen den Hinterbeinen deutlich ab. Auf dem Bild kann man sie ganz gut erkennen. Die Duftmarken wurden in dieser Zeit nicht unbedingt intensiver - lediglich im Winter markierte Harry sein Revier weniger.


Beißen

So zahm Harry auch war, so bissig konnte der Bursche aber auch sein. An manchen Tagen kam Harry nur zum Beißen aus dem Käfig, wobei er hier immer nur die Hände attackierte. Gegenüber Alice allerdings zeigte er nie irgendwelche Aggressionen und konnte sich auch gegen sie nicht wehren. Bei Harry war das Beißen dabei unabhängig von der Jahres- oder Tageszeit. Wir konnte bei seinen Beißattacken keinerlei Regelmäßigkeit erkennen. Lediglich fiel uns auf, dass er mich (Sonja) öfter attackierte als Klaus: Da ich durch Harrys Beißattacken relativ verunsichert war, zog ich immer sehr schnell die Hände weg, sobald sich Harry diesen näherte. Die ruckartige Bewegung erweckte in ihm wahrscheinlich einen Jagd- und Kampfinstinkt, und er versuchte, die Hände durch verstärktes Engagement seinerseits zu fassen. Dabei muss erwähnt werden, dass Streifenhörnchen-Bisse relativ schmerzhaft sein können, da die kleinen, spitzen Schneidezähne recht tief in die Haut eindringen können.


Fazit

Harry hatte zumindest bei uns Schwierigkeiten, mit der Käfighaltung mit stundenweisem Freilauf zurechtzukommen. Er hatte schon von Beginn an eine Stereotypie, der wir nicht gerecht werden konnten. Durch seine Beißattacken verunsichert, entschieden wir uns, Harry abzugeben. Dabei war uns sehr wichtig, die Interessenten auf alle Schwierigkeiten aufmerksam zu machen (Beißen, Geruch, Stereotypie), um zu verhindern, dass Harry an seinem neuen Wohnort dasselbe Schicksal widerfährt: Abgabe des Tieres, Tier als Wanderpokal.... Wir stehen dabei in losen Abständen im Kontakt mit den neuen Besitzern von Harry, die sich recht gut mit ihm und seinen Eigenheiten arrangiert haben. Wir wünschen, dass dies so bleiben mag! Mach's gut, Harry!