Freilebende Streifenhörnchen in Wuppertal

Im August 2008 besuchten wir den Zoo Wuppertal. Dieser Zoo ist äußerst sehenswert: Beispielsweise steht den Löwen ein Freigehege von 1 ha Größe zur Verfügung. Der Zoo ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

Für Hörnchen-Liebhaber ist die Kolonie freilebender Streifen-Backenhörnchen von Interesse. Diese Hörnchen sind im gesamten Zoogebiet angesiedelt. Wir konnten sie vor dem Elefantengehege beobachten. Wie groß die Streifenhörnchen-Kolonie ist, können wir nicht sagen. Beobachtet haben wir mindestens 3-5 Tierchen bei der Fütterung durch Besucher. Die Backhörnchen selbst sind nicht menschenscheu und nehmen Nüsse aus der Hand. Die Hörnchen sind jedoch auch in Freiheit eher zänkischer Natur: Treffen sich zwei Hörnchen an einer Futterstelle, kommt es zu kurzen Kämpfen, die in der Flucht eines Tieres enden.

Fellfärbung: Backenhörnchen

Die in Wuppertal beobachteten Tiere haben eine andere Fellfärbung, so dass es sich hier vermutlich um Streifen-Backenhörnchen (tamias striatus) handelt. Über den Rücken ziehen sich hier lediglich drei dunkelbraune Streifen - einer auf der Rückenmitte, einer je Körperseite. Bei den Streifen auf der Körperseite handelt es sich um zwei dickere dunkle Streifen, die einen sehr hellen Streifen begrenzen.

Bei den im Zoohandel angebotenen Hörnchen handelt es sich zumeist um Asiatische Streifenhörnchen, auch Burunduk genannt (tamias sibiricus). "Über den Rücken ziehen sich fünf dunkelbraune Streifen, einer auf der Rückenmitte, je zwei an beiden Körperseiten." (Otto von Frisch: Streifenhörnchen. GU-Ratgeber 2000, S. 44).

Aufnahmen der freilebenden Backenhörnchen

Ergänzendes aus dem Internet...

Nach einigen Recherchern im Internet konnte ich folgende Diskussion über die Wuppertaler Hörnchenkolonie ausfindig machen. Hier äußert sich der Buchautor Michael Mettler (Mettler, Michael: Alles über Streifenhörnchen. Falken: 1991) wie folgt:

Beitrag Michael Mettler vom 16.7.2006:

"Die Wuppertaler Freigänger sind Ost-Chipmunks (Tamias striatus), also amerikanische Backenhörnchen. (Falls nicht irgendwelche Privathalter inzwischen der Meinung waren, ihr asiatischer "Fritzi" oder wie auch immer soll es auch so schön haben, und sie ihren Liebling einfach dort ausgesetzt haben...) Bei den Wuppertaler Chipmunks handelt es sich auch nicht um ausgerissene Heimtiere, sondern ich bin bei Recherchen darauf gestoßen, dass diese Art vor Jahrzehnten im Zoo in einer Voliere gehalten wurde und man diese irgendwann für andere Tiere brauchte; also sind die Chipmunks eben auf Anweisung von oben "entlaufen". Wahrscheinlich hat niemand damit gerechnet, dass sie sich etablieren würden. Sie sind aber sehr anpassungsfähig; ein Weibchen soll regelmäßig in einem Gully in der Nähe des Vogelhauses seine Würfe aufgezogen haben."

Beitrag Michael Mettler vom 17.7.2006:

"...fiel mir auf, dass sie irgendwie anders aussahen als die in der Regel aus Japan oder Korea importierten Burunduks unserer westdeutschen Zoogeschäfte (die Burunduks in der DDR kamen aus der Sowjetunion). Dank guter Kontakte zu Wuppertaler Zoo-Insidern konnte ich herausfinden, dass die Ursprungstiere aus der Biologischen Station Wilhelminenberg in Wien gestammt haben sollen. Zufälligerweise hatte ich das Buch "Das Paradies vor unserer Tür" des dortigen Leiters Prof. Koenig und fand darin den Hinweis, dass dort "eine größere Anzahl aus Amerika importierter Chipmunks" aus einem Gehege entkommen sei und sich in der Umgebung der Station angesiedelt habe.

Das genaue Zugangsdatum in Wuppertal kenne ich nicht, aber im Jahresbericht für 1963 fand ich eben unter "Geschenke" acht Streifenhörnchen. Auch die Geschichte mit der Voliere konnte nur über Erinnerungen von Zoomitarbeitern rekonstruiert werden, und danach erging eben eines Tages der Erlass, dass die Streifenhörnchen zu entlaufen haben.... Also hatte dann nach offizieller Version ein Pfleger "vergessen, die Tür zu schließen".

Nach Vergleich von Fotos mit Bestimmungsliteratur fiel mein Verdacht auf Tamias striatus, den Ost-Chipmunk. Der schon erwähnte holländische Hörnchenzüchter erhielt später mehrere Exemplare aus dem Wuppertaler Zoo und bestimmte sie ebenfalls als Ost-Chipmunks nach."