Schallmessungen bei Mohrenkopfpapageien
Im August 2006 führten wir eine Schallpegelmessung durch, um zu überprüfen, wie laut unsere Mohrenkopfpapageien tatsächlich schreien. Wir entliehen hierzu ein geeichtes Gerät des Typs RS103 Reten Electronic Idstein (nach DIN 45634 iec651, Klasse 2). Fakt ist, dass Mohrenkopfpapageien schrille und durchdringende Stimmen haben. Sie schreien jedoch nie am Stück wie beispielsweise Amazonen oder Kakadus. Dennoch muss gesagt werden, dass gerade kleine Kinder Angst vor dem schrillen Ruf haben.
Zur Vorgeschichte in unserem Haus:
Im Jahr 2004 entschieden wir uns, den speziell angefertigten Balkonkäfig unserem Streifenhörnchen zur Verfügung zu stellen und so auf die stundenweise Außenhaltung unserer Vögel zugunsten eines verbesserten nachbarschaftlichen Verhältnisses zu verzichten. Eine Partei in unserem Haus fühlte sich durch die schrillen Rufe unserer Mohren dermaßen gestört, dass sie mit Abschuss der Vögel drohte. (Seit diesem Vorfall ist der Verbalkontakt zu diesen Nachbarn von unserer Seite aus gleich Null). Zur Info: Wir wohnen in einer Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus am Ortsrand von Ludwigsburg (Schwaben). Wir befragten die übrigen Hausbewohner: Diese fühlten sich durch die Mohrenkopfpapageien nicht gestört.Das Verhältnis zu den entsprechenden Nachbarn (es handelt sich um ein Rentnerpaar) besserte sich allerdings nicht: Im Folgejahr störte das Tropfwasser, das beim Gießen unserer Balkonpflanzen gelegentlich (!) nach unten fiel. Ein Sicht- und Spritzschutz um unseren gesamten Balkon, sollte dieses Problem lösen.
Leider war dem nicht so: Es störte daraufhin die winterliche Amselfütterung (Kot fällt nach unten), die Fütterung der Meisen und Spatzen (die Spelze der Sonnenblumenkerne liegen im Garten), das Laufen in der Wohnung (Haben Sie keine Hausschuhe?) und das Türenschlagen (Des isch a Kataschdrof - haben Sie keine Türklinken?) usw. Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Problemfeld verbalisiert, sprich nach oben geschrieen: Die schrillen Schreie der Vögel beim Lüften durch die Balkontür erregten das Ehepaar zutiefst!
Die Ergebnisse der Schallmessung
Um zu sehen, wie laut die Mohren tatsächlich sind (subjektives Empfinden und objektive Messergebnisse sind immer zweierlei), führten wir also die Schallmessungen im August 2006 durch:
- Die Außengeräusche, die in unserer Wohnung (sowohl innen als auch außen) ständig vorhanden sind, liegen bei ca. 60 dB (Dezibel).
Dieses Außenrauschen ist normal; wir wohnen zudem sehr ruhig. - 30 cm vom Vogel entfernt beträgt der Ruf 110-120 dB
Es wird deutlich, warum einem die Ohren klingeln, wenn der Vogel auf der Schulter sitzt und schreit. - 2 m vom Vogel entfernt beträgt der Ruf 95-105 dB
der Ruf ist also um 35-45 dB lauter als das genannte Außenrauschen. - Auf dem Balkon beträgt der Ruf bei geöffneter Balontür 90-95 dB
die Voliere steht dabei ca. 5 m von der Balkontür (und dem Messgerät) entfernt - Bei geschlossener Balkontür ist der Ruf zwar hör-, jedoch nicht messbar.
Er geht hier im Außenrauschen unter. - Messungen in der Nachbarwohnung auf dem gleichen Stock ergaben folgendes:
Im Wohnzimmer der Nachbarwohnung, das direkt an unser Wohn-Esszimmer angrenzt, war das Rufen der Mohren nicht messbar. Man hört das Rufen in etwa so laut, wie wenn eine Meise oder ein Spatz vor dem geschlossenen Fenster piepst.
Auf dem Nachbarbalkon, welcher direkt neben unserem liegt, war das Rufen nicht messbar, wenn unsere Balkontür geschlossen ist. Es war jedoch hörbar, ähnlich dem Piepsen einer Meise.
Ist unsere Balkontür jedoch geöffnet, dann sind 70 dB messbar; dies bedeutet eine Erhöhung des Schallpegels gegenüber dem Außenrauschen um schlappe 10 dB. - Wie also wird der Schallpegelmesser ausschlagen, wenn man die Messungen parterre durchführen würde? Hier dürfte der Ruf zwar hörbar, jedoch nicht mehr vom Außenrauschen messbar zu unterscheiden sein.
Fakt ist: Ärger kann es überall geben, wenn man Nachbarn hat. Wir selbst haben leider keine Lösung dieses Problems bei der Hand, da gerade in unserer Situation normale Denkstrukturen versagen. Wer sich ärgern will, der findet leider immer einen Grund. Wir hoffen, dass die Ergebnisse der Schallmessung für andere (zukünftige) Mohrenhalter hilfreich sind.
