Erklärungen zum Selbst- und Partnerrupfen nach Sonnenschmidt / Wagner (als PDF)
Lediglich eine Autorin setzt sich explizit mit der Thematik Partnerrupfen auseinander: Sonnenschmidt / Wagner. Insofern möchte ich hier auch ausführlicher auf ihre Ausführungen zur Thematik und auf ihre Lösungsvorschläge eingehen. Sehr häufig werden die Methoden von Sonnenschmidt / Wagner in den Bereich der Quacksalberei und der Esoterik gestellt: Wissenschaftlich seien die Methoden nicht bewiesen, in manchen Bereichen würden sie sogar den gängigen wissenschaftlichen Theorien widersprechen. Behandlungserfolge seien fraglich usw. Ich selbst habe meine Ansichten zu den Büchern von Sonnenschmidt / Wagner hier dargelegt: Auch ich erhebe meine Zweifel an bestimmten Methoden, aber: Wenn's helfen sollte, wen kümmert es, ob die Theorie stimmt??? Im übrigen bin ich als Mohrenhalter dankbar, wenigstens in diesen Büchern Erklärungen und Lösungen zur Thematik Partnerrupfen gefunden zu haben. Ob und inwieweit diese Lösungsansätze 'funktionieren', kann ich mangels eigener Erfahrung nicht sagen. Insofern würde ich mich freuen, wenn ihr mir von euren Erfahrungen mit den alternativen Heilmethoden von Sonnenschmidt / Wagner berichten würdet. Schreibt mir dazu einfach eine mail.
Federrupfen an sich selbst
Sonnenschmidt / Wagner sehen im Federrupfen eine psychische Verhaltensstörung, ein "masochistisches Verhalten, weil sich der Vogel dessen beraubt, was ihn auszeichnet: der Flugfähigkeit" (Sonnenschmidt / Wagner 1997, S.112). "Im Federrupfen haben wir es deshalb mit der Freisetzung eines ungeheueren Energiepotentials zu tun, das nicht zum Leben genutzt wird, sondern um zu sterben..." (a.a.O.). Vögel pflegen ihr Gefieder, um flugfähig zu bleiben. Nach Sonnenschmidt / Wagner erfolgt die Gefiederpflege wie folgt: "Mit der Schnabelspitze stimuliert der Vogel bestimmte Stellen auf der Haut, dann zieht er ein wenig am Federschaft, anschließend zieht er die Federn einzeln durch den Schnabel" (ebd., S.40). Mit der Gefiederpflege hält der Vogel einerseits sein Gefieder in einem sehr guten Zustand; zum anderen stimuliert er damit bestimmte Energiepunkte und regt seinen Stoffwechsel an: "Auf dem Vogelkörper gibt es Punkte oder Reizzonen, die durch sanfte und punktuelle Massage oder leichten Druck verschiedene körperliche Bereiche wie Nervenbahnen, Hormon- und Drüsensystem, Organe, Sehnen, Muskeln und Knochen erreichen. Diese Zonen berührt der Vogel im ersten Vorgang. Im zweiten Vorgang wird die Haut, aus der die Feder wächst, minimal angehoben. Dadurch wird die Durchblutung der oberen Hautschichten angeregt und gleichzeitig der Wasserhaushalt (Nieren, Harnwege) geprüft" (a.a.O.). Auf die Situation der Stubenvögel bezogen heißt dies: "Solche Vögel stimulieren ihren Körper täglich für Höchstleistungen, müssen aber in Gefangenschaft sozusagen auf Sparflamme leben" (ebd., S.113). Frustrationen können also entstehen, weil der Aufwand der Gefiederpflege in einem Missverhältnis zur Nutzung des Gefieders steht. Zu berücksichtigen sind laut Sonnenschmidt / Wagner also folgende Punkte:
- Sonnenschmidt / Wagner raten zum einen davon ab, Vögel zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Handaufzucht zu nehmen, da diese Küken meist nicht genug Zeit mit ihren Elternvögeln verbracht haben, um arteigenes Sozialverhalten zu lernen.
- Zum anderen raten die Autorinnen dringend, dem Vogel ausreichend Flugmöglichkeiten zu verschaffen, um das Selbstwertgefühl des Vogels zu erhalten und um ihm die Möglichkeit zu geben, seine Energien artgemäß einzusetzen.
- Manche Vögel kommen laut Aussagen der Autorinnen zudem mit den Haltungsbedingungen in Gefangenschaft nicht zurecht und richten daraufhin ihre Aggressionen gegen sch selbst in Form von Federrupfen. Dieses Verhalten führen Sonnenschmidt / Wagner auf bestimmte Konstitutionstypen der Vögel zurück.
- Auch Demütigungen (von anderen Autoren m.E. als nicht artgerechte Papageienhaltung bezeichnet) können zum Federrupfen führen.
Die Ursachen, die Sonnenschmidt / Wagner im Anschluss benennen, decken sich größtenteils mit den in der Literaturrecherche genannten:
- nicht artgerechte Haltung wie Einzelhaltung, zu kleine Behausung, zu wenig Freiflug, falsche Ernährung (zu fett, falsche Futterkomponenten), falscher Standort des Käfigs, triste Raumgestaltung, Stutzen der Schwungfedern, Elektrosmog in unmittelbarer Umgebung...
- falscher Umgang mit dem Vogel wie Demütigungen durch Bestrafungen, Überforderung, zu enge Bindung an den Menschen...
Künne betont in seinen Ausführungen zum Rupfen, dass ein Mangel an tierischen Eiweißen u.U. das Rupfen (zumindest der Jungtiere) verursachen kann. Sonnenschmidt / Wagner allerdings sehen eine Ursache im Rupfen in der Gabe von zuviel Eiweiß, wodurch ein Juckreiz auf der Haut entstehen könne (Sonnenschmidt / Wagner 1997, S.116).
Als Lösungsvorschlage, um dem Rupfen entgegenzuwirken, präsentieren Sonnenschmidt / Wagner:
- Sobald der Vogel sich zu intensiv mit seinem Gefieder beschäftigt, sollten mehr Flugmöglichkeiten angeboten werden. Mit diesem Vorschlag bleiben Sonnenschmidt / Wagner allerdings hinter den Lösungsvorschlägen, wie ich sie in der Literaturrecherche dargestellt habe, zurück: Hier wird neben einem ausreichenden Freiflug immer auch eine Optimierung der Haltungsbedingungen gefordert.
- Farbtherapie mit blauem, orangefarbenem und gelbem Licht je 30 Minuten.
- Bachblütenkur, wie vom Tierheilpraktiker verordnet.
- Kraulen der Fuß- und Beinpunkte, sofern der Vogel dies zulässt.
- Aufsuchen eines Vogeltherapeuten (Tierheilpraktikers), der eine individuelle Therapie für den rupfenden Vogel zusammenstellt.
Federrupfen in der Partnerschaft
Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, setzen sich lediglich Sonnenschmidt / Wagner explizit mit der Thematik 'Partnerrupfen' auseinander: Grundsätzlich gehen die Autorinnen davon aus, dass beim Partnerrupfen dasselbe wie beim Selbstrupfen gilt. Darüber hinaus aber wird in der gegenseitigen Gefiederpflege aber auch Zuneigung ausgedrückt: Es erfolgt eine gegenseitige energetische Aufladung (Sonnenschmidt / Wagner 1997, S.117) durch gegenseitige Stimulation der Energiepunkte: "Vögel spüren jedoch ganz genau, wenn der Partner irgendwie im Organismus zu wenig Energie hat. Dann werden diese Zonen und Punkte lange und intensiv bearbeitet" (a.a.O.) "Nun kann es aber dazu kommen, dass ein Vogel, der das sehr hohe Energiedefizit seines Partners auszugleichen sucht, seinen Partner rupft, weil die normale Stimulation ihm zu schwach erscheint. Durch diese Situation gerät er schließlich selbst unter Stress, weil sich die 'Batterie' des Partners nicht aufladen lässt" (a.a.O.). Ich selbst finde eine solche Behauptung sehr interessant, beleuchtet sie doch das rupfende Tier unter einem kompetenzorientierten Gesichtspunkt. Wir selbst hatten schon zu einem recht frühen Zeitpunkt vermutet, dass Ali eine Nierenerkrankung aufweist: Merkwürdigerweise rupft Mogli genau in dem Bereich, in welchem Sonnenschmidt / Wagner den Reflexpunkt benennen, der mit der Herz- und Nierenenergie im Zusammenhang steht (ebd., S.46). Auf der anderen Seite muss aber auch bedacht werden, dass die anderen Mohrenhähne, die ihre Henne rupfen, ebenfalls in diesem Bereich die Federn ziehen. Dies scheint für mich sogar der klassische Bereich zu sein, der beim Partnerrupfen 'bearbeitet' wird. Eine weitere Ursache für das Partnerrupfen sehen Sonnenschmidt / Wagner in der Fixierung der zwei Vögel aufeinander: Die Tiere können ihre Rivalitäten nicht mit anderen Vögeln austragen und richten ihre überschüssige Energie auf den Partnervogel.
Als Lösungsvorschläge präsentieren Sonnenschmidt / Wagner:
- Farbtherapie mit blauem und orangefarbenem Licht
- Vergesellschaftung mit artfremden Vögeln, z.B. Weichfressern. Auch der von uns aufgesuchte Tierarzt machte diesen Vorschlag, der sich allerdings bei uns zur Zeit nicht umsetzen lässt, da eine Volierengrundfläche von 1*2,25 m kein zweites Vogelpaar zulässt.
- Aufsuchen eines Vogeltherapeuten, der prüft, was dem Partnervogel, der gerupft wird, fehlt.
- Der rupfende Vogel soll für sein Verhalten gelobt und nicht gestraft werden: Er tut sein Bestes, um seinem Partner zu helfen.
- Bachblütenkur, wie verordnet.
Literatur
- Sonnenschmidt, Rosina; Wagner, Marion: Kraulschule für zahme Vögel. Akupressur und andere Heilmethoden. Ulmer, 1997.
Zitate aus diesem Buch werden von mir im folgenden bezeichnet als Sonnenschmidt / Wagner 1997. - Sonnenschmidt, Rosina; Wagner, Marion: Vögel. Akupunktur - Homöopathie - Bach-Blütentherapie - Kinesiologie. Ulmer, 1996.
Zitate aus diesem Buch werden von mir im folgenden bezeichnet als Sonnenschmidt / Wagner 1996.
