Panchi und Mogli - ein Traumpaar findet sich (als PDF)

Anja berichtet über ihre zwei Mohren Panchi und Mogli:

Sancho und Pancho - wie alles begann

„Komm, lass uns mal nach einer Schildkröte schauen“ – so fing es an. Als wir uns daraufhin im Juni 2001 in einer Zoohandlung danach umsehen wollten, ging ich zuerst in die „Vogelecke“. (Als Kind hatte ich über 9 Jahre einen Nymphensittich, den ich über alles geliebt habe. Als er starb, wollte ich nie wieder einen Vogel halten – er war für mich unersetzbar.) Hier stand neben den Nymphensittichen eine große Voliere, in der auf der obersten Spitze eines dicken Astes drei scheue und sehr verängstigte, dicht aneinander gekuschelte Mohrenkopfpapageien saßen. Ich muss zugeben, dass ich diese Art von Papagei vorher noch nie gesehen hatte. Ich fand sie so süß, und es tat mir weh, diese Angst zu sehen. Die Schildkröte war ganz schnell unwichtig geworden; wir fuhren aber nach Hause, ohne uns zu entscheiden. Da ich die Papas aber nicht vergessen konnte, fuhren wir ein paar Tage später wieder hin. Noch immer waren alle drei da. Wir sprachen nun eine Dame in der Zoohandlung an, und sie klärte uns nicht gerade kompetent über diese Vögel auf: Es seien Wildfänge, die aber selbst dann noch zahm werden; Geschlecht und Alter seien unbekannt; sie seien sprachbegabt. Sie wären auch ab und zu recht laut, aber mit einer Blumenspritze könnten sie recht gut beruhigt werden. Wildfänge! Und natürlich wurden sie nicht nur paarweise verkauft, sondern auch einzeln. Das klang nicht gerade ermutigend. Beim nächsten Besuch fehlte einer, und es waren folglich nur noch zwei. Jetzt wurde mein Mitleid noch größer. Ich beriet mich mit meinem Mann (damals noch Freund), und wir schauten in einigen Papageienbüchern in Buchhandlungen nach, um uns über diese Papageienart und auch über Wildfänge zu informieren. Leider waren diese Angebote recht spartanisch und einen Internetzugang hatte ich damals - außer im Büro - noch nicht. Nach vielen weiteren Besuchen über  mindestens 4 Wochen hinweg – und sie waren immer noch zu zweit –, haben wir uns für sie entschieden. Über den Wildfanghandel hatte ich damals nur eine sehr verschwommene Vorstellung. Ich wollte nur, dass die beiden nicht getrennt werden; zudem wollte ich ihnen ein schönes bzw. besseres Zuhause geben. Anfang August 2001 kamen Sancho und Pancho dann zu mir (ich wohnte zu der Zeit noch alleine).

Die Eingewöhnung von Sancho und Pancho

Die Eingewöhnung von Sancho und Pancho war sehr schwierig oder besser gesagt katastrophal. Die zwei hatten mehr als nur panische Angst vor uns beiden. Wir brauchten nur in ihre Nähe zu kommen, schon flatterten sie hastig in ihrem Käfig herum, taten sich dabei weh und versuchten, sich in den obersten Ecken „klein“ zu machen in der Hoffnung, dass wir wieder verschwinden. Wir waren mehr als verzweifelt. Als es nach mehreren Tagen – heute weiß ich, dass dieser Zeitraum gar nichts ist – immer noch nicht besser wurde, sei es beim Füttern, sei es, wenn man nur an dem Käfig, der in einer Ecke stand, vorbei ging, war ich mit den Nerven fix und fertig. Ich spielte ernsthaft mit dem Gedanken aufzugeben! Und das zeigt, dass ich wirklich ratlos war. Aber so schnell wollte ich doch nicht die Flinte ins Korn werfen. Wo sollten sie denn auch hin? Nein, ich hatte mich für sie entschieden, wollte Ihr Vertrauen gewinnen und war für sie verantwortlich. Wir hatten mittlerweile sämtliche Zoohandlungen in unserer Umgebung abgeklappert und auch einen Vogelzüchter in unserer Nähe, um uns zu informieren, was wir besser machen konnten. Außer Geduld, Geduld und nochmals Geduld (das wussten wir auch) und „Was? Wildfänge – so was macht man ja auch nicht!“ wurde uns nicht weitergeholfen. Als ich dann vom Büro aus im Internet recherchierte, wurde ich fündig. Ich stieß über die APN auf Christophs Mohrenkopfpapageienseite und war happy. Dort wurde mir dann „richtig“ weitergeholfen. Ich erhielt gute Tipps und mir wurde – was ganz wichtig war  – Mut gemacht. Von nun an einigte ich mich mit meinem Mann dahingehend, dass nur noch ich Sicht- und Ansprechpartner für die Vögel sein sollte, soweit dies möglich war.  Ich kann sagen, dass die beiden mein Leben etwas umgekrempelt haben. Ich war nicht mehr so oft weg, sondern saß abends auf der Couch neben ihnen und habe stundenlang mit ihnen gesprochen, habe dort gelesen und andere Tätigkeiten verrichtet, so dass sie mich beobachten und erkennen konnten, dass ich ja nichts böses tue. Von da an ging es von Tag zu Tag besser. Sie sind nicht mehr in die hinterste Ecke geflüchtet, sondern saßen nur noch  – wobei Pancho immer hinter Sancho saß – eng aneinandergekuschelt und haben dort auch geduldig verweilt, bis ich das Futter gewechselt hatte. So hatten wir es also geschafft, endlich „Routine“ in unser Leben zu bringen. Es war schön, und ich durfte hoffen, dass es nur besser werden konnte. Nach 6 Wochen war der erste Freiflug geplant. Wir öffneten das Türchen und warteten gespannt. Natürlich stand neben dem Käfig ein Kletterbaum. Sancho war der erste, der Mut fasste und genau auf dem höchsten Platz des Kletterbaumes landete. Hinterher kam Pancho – auch heute noch ein rechter Bruchpilot – und landete, glaube ich, auf dem Schrank. Weitere Einzelheiten möchte ich hier nicht mehr beschreiben, sonst würde dieser Absatz ins Endlose gehen. Ich möchte nur noch eines erzählen: Beide waren ja nicht handzahm und ließen mich nicht näher als einen Meter an sich heran. Dass sie nicht freiwillig in den Käfig zurück sind, brauche ich also nicht zu erwähnen. Wir haben uns deshalb mehrere Konstruktionen ausgedacht, wie wir die Käfigklappe mit „Fernbedienung“ schließen konnten, wenn beide wieder zurückgeklettert waren. Bewährt hatte sich eine Kordel, befestigt an der Klappe, verlegt unter der Couch und fixiert am Stuhlbein beim Esstisch. Es war verrückt, aber anders ging es nicht. Natürlich sind nie beide gleichzeitig zurück, erst der eine, dann der andere. Als ob sie es geahnt hätten. Ach was, sie wussten es und haben uns veräppelt. So verbrachten wir STUNDEN in einem anderen Zimmer, schauten um die Ecke, was sie so machten und zogen dann die „Reißleine“, wenn doch tatsächlich der Hunger bei beiden gleich groß war und sie zusammen zurückkehrten. Einmal waren sie allerdings 5 Tage am Stück draußen. Natürlich gab es bei diesen Freiflügen auch panische Reaktionen mit vielen Bruchlandungen – aber im Großen und Ganzen kann ich sagen, ging es dann nach einiger Zeit recht gut, so dass auch hier schließlich ein bisschen Routine einkehrte. Sancho und Pancho verstanden sich untereinander gut und zeigten letztendlich auch keine Scheu, sich vor uns gegenseitig zu füttern und zu schmusen. Wieder waren wir ein Stück auf dem langen Weg weitergekommen.

Sancho und Pancho

Sancho (links) und Pancho 
beim Zernagen von Obstbaumzweigen

Sancho

Sancho bei einem seiner Freiflüge

Sancho wird krank

Ende Dezember 2001 wurde Sancho krank. Er schlief fast ununterbrochen, trank sehr viel und setzte wässrigen Kot ab. Das Fressen stellte er aber nicht ein, sondern meiner Meinung nach futterte er ganz normal wie zuvor auch. Da er ja nicht handzahm war und ich auf keinen Fall das schwer erarbeitete Vertrauen durch einen Krankentransport gefährden wollte, suchten und fanden wir einen Papageientierarzt, der auch Hausbesuche machte. Als er kam, begutachtete er beide Vögel, gab ihnen, da sie sich von dem vorangegangenen Quarantäneaufenthalt immer noch nicht erholt hatten, eine Aufbauspritze und nahm von Sancho eine Kotprobe und einen Rachenabstrich mit. Wie waren wir beruhigt, als wir nach einigen Tagen erfuhren, dass auf den damit angesetzten Kulturen zwar Bakterien, aber keine Pilze nachgewiesen werden konnten. Sancho wurde deshalb Baytril (Antibiotikum) verordnet, welches wir ihm über das Trinkwasser gaben. Ich war so froh, dass er es, da er ja so viel trank, aufnehmen konnte. Zu diesem Zeitpunkt fingen auch beide an, sich aus dem reichhaltigen Angebot an Obst, das sie von Anfang an erhielten, wenigstens für Apfelstücke zu interessieren. Also konnte ich nun das Medikament auf die Apfelstücke träufeln und musste darauf achten, dass Pancho keins davon erwischte. Leider änderte sich der Zustand von Sancho nicht. Im Gegenteil: Er schlief noch mehr, und seit der Untersuchung konnte er auch nicht mehr richtig fliegen. Es war so schlimm! Zu allem Überfluss fing dann auch noch Pancho an, ihn zu hacken und zu beißen. Er merkte wohl, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung war. Alle Flugversuche im Käfig von Sancho endeten nach einigen kraftlosen Flügelschlägen auf dem Boden. Irgendwann wurde uns klar, dass wir nicht mehr länger warten durften, bis das verordnete Antibiotikum wirkte, sondern tätig werden mussten. Viele Telefonate wurden geführt. Als sehr kompetent wurde uns die Tierärztliche Klinik in Seligenstadt empfohlen, zu der wir Sancho, der mittlerweile fast apathisch war, dadurch kaum mehr Angst zeigte und sich leicht einfangen ließ, gebracht haben. Hier wurde er geröntgt und das Bild zeigte, dass er sehr schwer „ASPERGILLOSE“krank war. Sämtliche Luftsäcke waren befallen und selbst auf der Luftröhre waren Pilzknoten zu sehen. Zudem war die Leber stark angeschwollen. Ich war so traurig, und die Tierärztin machte uns keine große Hoffnung. Wir erzählten ihr von der Antibiotikumbehandlung, die, wie wir erfuhren, bei einer Pilzerkrankung genau das Gegenteil bewirkte. Diese Behandlung hatte Sancho also noch kränker gemacht als er ohnehin war. Wir haben Sancho dann – es war Freitag – in der Klinik zur stationären Behandlung gelassen. Es war furchtbar, den kleinen Kerl alleine zurückzulassen. Mit Sicherheit fühlte er sich ganz verlassen. Am Sonntag Nachmittag ist Sancho dann gestorben. Als wir ihn abholten, wurde uns die Kotprobe gezeigt, die durch und durch mit Pilzen überzogen war. 

Aus Pancho wird Panchi

Nun war unser Pancho alleine ohne Partner. Da er von beiden schon immer der ängstlichere und panischere Vogel war, wurde er noch ängstlicher. Schließlich hatte er gesehen, wie wir seinen Freund mitgenommen und nicht mehr zurückgebracht haben. Wir waren aber froh, dass Pancho trotz seiner Trauer sehr gut fraß und auch nicht mehr schrie als sonst auch. Jetzt ging es darum, sein Geschlecht bestimmen zu lassen. Auch musste oder sollte er – auf Empfehlung der Tierärztin - ebenfalls auf Aspergillose untersucht werden, um ihn vor dem Schicksal von Sancho zu bewahren. Dies war uns wichtiger als der unumgängliche Einfang-Stress. Nun wurde auch er geröntgt. Auf dem Röntgenbild wurde bei ihm ebenfalls Aspergillose festgestellt; Gott sei Dank nur eine sehr leichte und kaum erkennbare, die noch nicht behandelt werden musste. Ein paar Tage später hatten wir Panchos Geschlecht: „Pancho ist ein Mädchen“ lautete die Nachricht auf unserem Anrufbeantworter, die dann auch kurz darauf schriftlich bestätigt wurde. Geahnt hatten wir dies beide schon, denn in vielerlei Hinsicht ist sie recht „zickig“, was sich im Laufe unserer Freundschaft noch verstärkt hat. Also wurde aus Pancho unsere kleine „Panchi“. Leider haben wir das Geschlecht von Sancho nicht erfahren, wir vermuten aber aufgrund seiner Größe und seiner Kopfform, dass er ein Hahn war. Nun konnten wir uns auf die Suche nach einem Partner für Panchi machen. 

Mogli kommt zu uns

MogliAuf unseren Hilferuf „Mohrenmann für einsame Mohrendame gesucht“ meldete sich eine Züchterin aus Ulm, die uns aus einem Dreiergelege als Handaufzucht den Erstgeschlüpften anbot. Bei allen drei Tieren handelte es sich um männliche Tiere. Natürlich wollten wir den Kleinen! Anfang März 2002 hatten wir Mogli, der nun genauso hieß wie sein mittlerer Bruder, zu uns nach Hause geholt. Zur Eingewöhnung hatten wir einen zweiten Käfig angeschafft, den wir so hoch und nahe an den anderen stellten, dass beide Vögel sich gleichrangig gegenübersitzen konnten. Das Ergebnis war jedoch, dass Panchi so panisch reagierte, als ob in dem Nachbarkäfig eine hungrige Katze sitzen würde. Und da es ungeheuer stimuliert, wenn ein Vogel schreit, hat Mogli mit seiner noch etwas schwachen Stimme kräftig mitgeschrieen. Also haben wir beide Käfige wieder so auseinander gestellt, dass sich beide Vögel zwar noch hören, aber nicht mehr sehen konnten und schlagartig ist Besserung eingetreten. Auch wollten wir Mogli ja auch erst an uns gewöhnen, was sich mit der Nähe von Panchi als sehr schwierig erwies. Es dauerte einige Zeit, bis Mogli uns akzeptierte und auch keine Furcht mehr zeigte. Praktisch von einem Tag auf den anderen, ohne weiteres Zutun, wurde er sehr zutraulich und anhänglich. Freiflug gab es zunächst nur einzeln, aber da Panchi zu dieser Zeit immer nur sehr unwillig und von uns kaum beeinflussbar in ihren Käfig zurückging, ließen wir sie bald beim Freiflug zusammenkommen. Es war ja erkennbar, dass sie sich zwar noch nicht ganz mochten, aber tolerierten.

Mogli als Baby 

Panchi beim Landeanflug zu Mogli Als die gemeinsamen Freiflüge sicher vonstatten gingen, stellten wir die Käfige wieder nebeneinander und Panchi zeigte größeres  Interesse an ihrem Nachbarn. Schon damals war zu erkennen, dass Mogli, obwohl noch Baby, der dominantere Vogel war, als er anfing Panchi zu jagen und von ihren jeweiligen Sitzplätzen außerhalb des Käfigs zu vertreiben.
Welche Überraschung war es für mich, als mein Freund, der damals bei mir zu Hause war, mich Anfang Juli 2002 im Büro anrief und meldete „Mogli krault Panchi“. Die beiden hatten sich also gefunden und sollten seitdem unzertrennlich sein. Ab diesem Zeitpunkt konnten wir sie zusammen problemlos in Panchis Käfig setzen. Ende des Jahres 2002 sollte sich auch für mich etwas ändern: Ich zog mit meinem Freund zusammen und der Käfig von Panchi und Mogli wurde gegen eine große Voliere ausgetauscht.


Panchi und Mogli - "Gegensätze ziehen sich an"

Panchi hat sich, seitdem Mogli bei uns ist, total verändert. Aus einem scheuen, ängstlichen und „Ich-trau-mich-gar-nichts“-Vogel hat sich eine mutige, freche, aufmüpfige und sehr selbstbewusste Mohrendame entwickelt. Diese Veränderungen fingen bei den gemeinsamen Ausflügen mit Mogli an. Auf einmal zeigte sie direktes Interesse für ihre Umwelt. In den etwas über 2 Jahren, seitdem nun Mogli bei uns ist, hat sie viel von ihm gelernt und abgeschaut. Dinge, für die sie sich früher nie interessierte, erwecken heute ihren Spieltrieb, ihre Nagewut und ihre wahnsinnige Neugier. Früher war sie nur auf das Benagen von Ästen fixiert – was sollte sie auch mit bunten Klötzchen etc. anfangen, die sie ja in der freien Natur nie kennen gelernt hatte. Heute benagt sie außer diesen u. a. auch unsere Tapeten, Schränke und findet nahezu an allem verbotenen Gefallen. Auch was das Fressen angeht, hat sie sich gewaltig verändert. Waren es früher nur Äpfel, frisst sie heute alles Obst, was wir ihr anbieten. Ganz verrückt ist sie übrigens auf helle Weintrauben, rote Paprika, Kaktusfeigen, Mandarinen und weiterhin süße Äpfel.

Panchi mit Kirschblüte

Na, erkennt ihr mich?

Im Gegensatz zu Mogli, der der wahre Gierhals und Verschwender beim Essen ist, futtert sie gemächlich und alles fast bis auf den letztes Zipfel auf. Leider lässt sie sich aber auch gerne die größten Leckerbissen von Mogli abnehmen. Zwar bekommen sie ihre Lieblingssnacks immer zusammen, aber er hat meistens mehr Interesse an ihrem als an seinem. Hier wird der Futterneid ganz deutlich. Panchi ist – man darf es kaum glauben – der eigentlich mutigere Vogel von beiden. Bekommen sie neues Spielzeug, ist sie die erste, die es begutachtet, auch wenn sie es noch nicht bearbeitet. Mogli hingegen, das „Misstrauen“ in Person, beobachtet es lieber erst aus der Ferne und lässt Panchi den „Vortritt“ – die neue Sache könnte sich ja eventuell in ein bissiges Monster verwandeln. Es ist zu schön zu beobachten, wie dies manchmal vonstatten geht: Panchi vorweg und Mogli in sicherer Entfernung brabbelnd: „Guck es Dir genau an – ich trag die Verantwortung und deck den Rückzug“. 
Der Mut verlässt Panchi allerdings bei meinem Mann. Da er sie zwei Mal für den Transport zum Tierarzt anfassen musste, hat sie nie Vertrauen zu ihm aufgebaut und immer nur Angst gehabt. Kommt er in ihre Nähe, haut sie ab und schreit und schimpft furchtbar. Zu mir hat sich das Vertrauen allerdings von Monat zu Monat verbessert. Am Anfang wurde nur der Abstand zu ihr kürzer, dann durfte ich ihr mit langem Arm Leckerbissen in den Schnabel geben und sie schließlich auf dem Stöckchen hin und her tragen. Heute hat sie kaum mehr Angst vor meiner Hand – anfassen darf ich sie aber nicht, noch nicht! Aber vielleicht schaffe ich auch dies eines Tages. Ein kleiner Fortschritt lässt sich hier schon erkennen: Ab und zu darf ich ihr den Schnabel streicheln. Zwar nur kurz und wenn sie genug hat, hackt sie ordentlich nach mir, was mir zeigt, dass das angstbestimmte Fluchtverhalten einer selbstbewussten Aggression gewichen ist. Panchi hat sich von einem scheuen, panischen Wildfang in eine süße kleine aufgeweckte und lustige „Zicke“ verwandelt. Dies äußert sich nicht nur psychisch, sonder auch physisch: Das Gefieder ist wieder schön, und sie fliegt viel und ausdauernd mit Mogli um die Wette. Wir sind sehr stolz auf sie! Auch wenn es sehr traurig ist, aber wenn unser kleiner Sancho nicht gestorben und Mogli gekommen wäre – wobei ich aber auch unsere Geduld nicht außer Acht lassen möchte –. hätte Panchi bestimmt nicht diese positive Entwicklung durchgemacht. Natürlich sind wir darüber glücklich, werden aber Sancho niemals vergessen und wären froh, wenn er noch bei uns wäre.

Panchi mit Süßmandel  Panchi ganz misstrauisch

Mogli ist ein lustiger, neugieriger und anhänglicher Schmuser. Nach seiner Eingewöhnung bei uns hat er bei seinen Freiflügen, anfangs noch auf sehr wackeligen Beinchen und mit tolpatschigen Flugversuchen, seine neue Gegend erkundet. Es war zu süß zu beobachten, wie er das „Obst-mit-den-Füßen-Festhalten“ erlernt hat und dabei das Gleichgewicht verlor. Zu Beginn unserer Freundschaft war Mogli, bevor er sich mit Panchi anfreundete, sehr auf mich fixiert. Auch bettelte er mich oftmals noch an, obwohl er schon komplett selbständig frass. Im vergangenen November wog Mogli 166 g, das Gewicht von Panchi können wir aufgrund des Größenunterschiedes nur auf ca. 120 g schätzen, da sie sich leider nicht freiwillig auf eine Briefwaage setzt. Mein Mann und ich witzeln daher öfters mal darüber, dass Mogli bestimmt seinen beiden Brüdern als Baby alles weggefuttert oder sich gleich wieder hinten angestellt hat, um noch eine Portion zu erwischen. Er ist alles andere als ein Kostverächter: Wenn er nicht gerade Unfug treibt, Panchi ärgert, sportlichen Aktivitäten nachgeht oder schläft, findet man ihn über einem der Futternäpfe. 

Das hat er nun davon, dass er mir immer alles wegfrisst!

Mogli auf Erkundungstour und Freiflug in seiner alten Wohnung

Wie anfangs schon kurz erzählt, fing er bereits als Baby an, die „Hackordnung“ festzulegen. Dies zeigt sich auch ganz deutlich beim Fressen. Nicht immer, aber oft muss Panchi warten bis Mogli fertig gespeist hat. Gerne blockiert er die Näpfe, indem er einfach nur draufsitzt und wartet, bis Panchi bettelt. Was ich besonders lustig finde ist, dass Mogli immer anzusehen ist, was er gerade gefressen hat: Die gefärbten Füße von der Paprika, die Banane, die zwischen den Zehen herausquillt oder die Weintrauben, die unter seinem Schnabel hängen; wenn er dann zu den Körnern übergeht, sieht es noch besser aus. Auch zählt er zu den Verschwendern, meist werden das Obst oder die Snacks kurz angebissen und dann achtlos fallengelassen. Es sei denn, es handelt sich um eine seiner Leibspeisen wie Kaktusfeige, Hagebutte, Maiskolbenstücke oder Mandarine. Diese werden bis auf den letzten Bissen schnell heruntergeschlungen, damit er ja noch das Stück von Panchi bekommt. Auch fällt auf, dass er sehr hektisch frisst. Panchi ist da viel geruhsamer, die alles, wenn sie darf, bis auf den letzten Zipfel futtert.

Freiflug Bitte einmal Pediküre!

Vom Charakter her lässt sich Mogli mit einem Satz beschreiben: Er ist der Chef. Und der Chefsessel ist meine Schulter, auf der er am liebsten mit dem Hintern nach vorne sitzt. Es ist kaum zu glauben, dass sich aus diesem anfangs schüchternen kleinen Kerl ein Macho – aber ein sehr liebenswerter - entwickelte. Mogli macht, was er will, was wohl auf die „antiautoritäre“ Erziehung unsererseits zurückzuführen ist. Bei ihm wurde nämlich das „Strafsitzen“ nur spärlich vollzogen, so dass er sich nach Herzenslust austoben durfte. Manchmal bereue ich es, dass ich ihn damit nicht besser erziehen und somit seine Eigenwilligkeit etwas drosseln konnte. Auch ist er sehr eifersüchtig, wenn ich mich um Panchi kümmere: Sofort kommt er zu mir, nimmt Platz auf seinem Chefsessel und hackt mich ins Ohr. Gerne lässt er sich hierzu auch nach hinten fallen, um mich dann hinten am Hals zu erwischen. In der Zwischenzeit ist Panchi weggeflogen und hat sich vor dem Rabauken in Sicherheit gebracht. Natürlich kann Mogli auch sehr aggressiv sein. Er zeigt deutlich, wenn ihm etwas nicht passt. Da ist es das Beste, man hält seine Finger und Ohren zurück. Sehr oft geht er auch gegen Panchi. Es ist zu sehen, dass es ihm geradezu Spaß macht, hinter ihr her zu jagen und sie zu ärgern. Mal knappt er ihr in den Flügel oder in den Fußzeh. Sie zettert dann ganz wild, und dies scheint ihm dann noch mehr zu gefallen und zu motivieren, weiterzumachen. Das ganze bleibt aber eine Spielerei, von einer Sekunde auf die nächste wechselt diese in zärtliche Kuschelei, und wir fragen uns, wie beide sich darauf verständigen, dass jetzt wieder Frieden ist. Auch kann er recht lange schmollen, z. B. wenn er nicht mehr raus darf oder nicht genug Beachtung bekommt.

Ob Panchi sich über mein Geschenk freut?

Jeden Abend werden die „Schwarmführereigenschaften“ noch einmal besonders beeindruckend demonstriert. Obwohl jeder seinen eigenen Schlafast hat, sitzt Mogli dick und schlafbereit auf dem Schlafast von Panchi, die ihn regelrecht anbettelt, doch Platz zu machen. Dazu hängt sie sich kopfüber über ihn an das Gitter, pfeift ganz leise und zuppelt ihm auch mal die Kopffedern zurecht. Aber nein! Mogli ist sich seiner Wichtigkeit bewusst. Irgendwann wird es für ihn dann langweilig, und er begibt sich zu seinem eigenen Schlafast, auf dem er dann noch minutenlang seine Pirouetten dreht, bis er endlich seine Schlafposition gefunden hat. Mogli schläft übrigens in der „Kopf-nach-unten-Schwanz-in-die-Höhe“-Position auf beiden Beinen; Panchi hingegen ganz klassisch auf einem Bein und dem Kopf im Rücken. Auch wenn Mogli mit Panchi verpaart ist, hat er nichts von seiner anfänglichen Zahmheit verloren. Er lässt sich weiterhin anfassen und überall kraulen, selbst ab und zu unter den Flügeln. Wenn ihm danach ist, lässt er sich auf meiner Hand nach hinten fallen, damit ich ihn dann in meine andere legen kann. Das heißt wohl soviel wie: Der Bauch müsste auch mal wieder gekrault werden. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er nicht mehr so oft zu mir zum Kuscheln kommt – und wenn, dann am liebsten abends kurz vorm Schlafengehen. Grundsätzlich sind Panchi und Mogli so aufeinander fixiert, dass keiner ohne den anderen kann. Das merkt man auch an den lauten Rufen, wenn die beiden einmal keinen Sichtkontakt haben.

Tagesablauf

Der Tagesablauf von Panchi und Mogli ist, soweit wir beide ganztägig zu Hause sind und es sehen können, immer gleich. Sobald beide morgens wach werden, begrüßen sie sich anfangs mit leisem Gepiepe. Dann fliegt Panchi zu ihm, und es geht weiter mit einer liebevollen Kraulerei. Schade, dass diese Töne nicht beschreibbar sind, es ist zu süß. Dies ist aber nicht nur morgens so, sondern findet nach jedem „Aufwachen“ auch tagsüber statt. Mogli – ganz Macho – tut hierzu natürlich selten den 1. Schritt. Bis das Frühstück kommt, schreien sie sich ein und begrüßen lauthals den Tag. Ich beeile mich dann, ihnen das Futter hinzustellen, damit sie ruhiger werden oder es gibt eine kurze Flugstunde, wenn ich Zeit dazu habe. Natürlich lassen sich beide nicht lange bitten und düsen sofort heraus. Dann fliegen sie hin und her mit lautem Geschreie, wobei sie mir auch in Küche folgen dürfen. Dort gibt es die ersten Leckerbissen: eine Hagebutte oder ein Stückchen Obst. Sobald aber das Frühstück bereit gestellt ist, gehen sie zurück und fressen ganz gierig. Schließlich war die Nacht doch recht lang. „Nach dem Essen sollst Du ruhn.“ – natürlich nehmen beide dies in Anspruch, es sei denn das Türchen bleibt auf und sie dürfen noch einmal heraus, wenn es die Zeit erlaubt. Ab und zu kann der Spruch auch weitergeführt werden: ...sie verfallen in ihre Liebeleien, wobei ich mich wundern muss, dass die so genannte Balzzeit bei beiden ständig zu sein scheint. Hierbei fordert Panchi immer Mogli auf, auf sie zu steigen. Beide lassen dabei ihre Flügel bis auf die Knie rutschen.

Die wollen doch nicht ohne uns frühstücken? Mogli mit seiner Kuscheldecke

Dies begann Mogli bereits mit ein paar Monaten zu tun. Natürlich war die Angelegenheit damals noch sehr wackelig, wovon heute absolut nicht mehr die Rede ist. Es ist kaum zu glauben, sie lassen sich dabei von nichts und niemandem stören; selbst der Staubsauger in unmittelbarer Nähe bringt sie nicht aus der Ruhe und Konzentration. Begleitet wird diese Aktivität mit lustigem Gegluckse und Gepiepe.

Kletterbaum
Panchi und Mogli auf ihrem alten und neuen Kletterbaum
Kletterbaum
Kletterbaum

Dann gibt es noch ein paar Flugrunden, Streitereien und Spielereien, wobei beide sich am liebsten auf dem Kletterbaum aufhalten. Diese morgendlichen Aktivitäten halten bis ca. 11 Uhr an. Dann ist „Mittagspause“ angesagt, wobei es vorkommen kann, dass bis in den späten Nachmittag nichts von beiden zu hören ist. In dieser Zeit dösen sie viel, fressen, füttern sich gegenseitig und beschäftigen sich nur mit sich selbst. Die gleichen Aktivitäten wie morgens finden dann auch abends statt, wenn der eigentliche Freiflug angesagt ist. Natürlich wissen beide, was nicht gestattet oder sogar verboten ist, z. B. unsere Gardinenstangen und die Möbel aus Holz. Welcher Geier interessiert sich aber nicht dafür? Es ist zeitweise ganz schön anstrengend, beide immer herunterzupflücken und auf ihre Zweige und Knabberhölzchen zu verweisen. Baden tut Mogli sehr gerne. Natürlich nur im Trinknapf und dann wie eine Ente. Panchi hingegen badet fast nur, wenn die Sonne scheint. Auch ist sie – im Gegensatz zu Mogli – viel zaghafter, was den Umgang mit Wasser angeht – ganz ladylike mit einem Fuß voran. Während der abendlichen Flugstunde fliegen beide zu mir in die Küche, wo ich ihren Obstnapf ein wenig auffrische. Sie lauern richtig und bekommen zwischendurch noch einen Happen. Kommt dann der große Hunger, gehen beide freiwillig wieder alleine in ihre Voliere zurück, um zu fressen. Anschließend geht dann der „ruhelose“ Kampf um den Schlafplatz los. Panchi und Mogli sind ein harmonisches Mohrenpaar. Natürlich gibt es bei ihnen auch einmal schlechte Laune und ruhige Tage – vor allem jetzt in der Winterzeit. Auch für uns ist es manchmal nicht einfach, alles miteinander zu vereinbaren und die Nerven zu behalten. Dennoch, beide sind fest in unser kleines Familienleben integriert und gehören dazu. Es ist einfach schön, dass sie da sind. 

Mogli badet
Mogli beim Baden im Trinknapf
Spielzeug
Ab und zu der Hit:
Holzwürfel gefüllt mit einer Süßmadel


Lecker, so eine Hagebutte...

Bitte nicht stören...

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