Allgemeines zur Luftfeuchtigkeit - Sinn oder Unsinn? (als PDF)
Vorweg: Eine kritische Meinung zum Thema Luftfeuchtigkeit (Dezember 2005)
Da wir zu Beginn des Jahres 2005 große Probleme mit der Aspergillose unseres Mohrenkopfpapageis Mogli hatten, begannen wir das Thema Luftfeuchtigkeit erneut zu durchdenken. Wir hatten in den vergangenen Jahren mindestens einen Luftbefeuchter im Dauerbetrieb; unser Equipment in Sachen Luftbefeuchtung wurde immer professioneller; die Wartung der Geräte erfolgte in regelmäßigen Abständen und häufiger als vom entsprechenden Hersteller empfohlen. Und dennoch wurde die Aspergillose und die damit verbundenen Erstickungsanfälle unseres Papageis immer schlimmer... Primär aus einer Kosten-Nutzen-Rechnung heraus (was bringt dann der ganze Aufwand???) entschlossen wir uns im Februar 2005 die Luftbefeuchter abzuschalten und die Auswirkungen auf Mogli zu überprüfen. Seit Mai 2005 hat Mogli keinen nennenswerten Erstickungsanfall mehr gehabt. Ob dies nun die Auswirkungen des Lamisils, der Inhalationstherapie, der Sanumtherapie oder der veränderten Luftfeuchtigkeit sind, können wir natürlich nicht sagen. Festzuhalten bleibt allerdings, dass das Abschalten der Luftbefeuchter keine ersichtlichen, negativen Folgen auf die Atmung von Mogli hat(te). Er ist lebendig, fliegt viel und freut sich seines Lebens. Für uns ein klares Indiz, auch zukünftig der gängigen Meinung bezüglich einer hohen Luftfeuchtigkeit kritisch gegenüber zu stehen. Ungeklärt sind für mich beim Thema Luftfeuchtigkeit nun tatsächlich folgende Fragen:
- Inwieweit sind auch gut gewartete Luftbefeuchter eine Keim- und Bakterienschleuder?
- Breiten sich Pilzsporen besser in trockener oder in feuchter Luft aus?
- Wieso spricht man an schwül-warmen Tagen von Aspergillose-Wetter, wo doch gerade an solchen Tagen eine recht hohe Luftfeuchtigkeit herrscht?
Im Folgenden lasse ich die gängigen Aussagen zum Thema Luftbefeuchtung und Papageienhaltung dennoch unverändert stehen. Jeder Papageienhalter sollte für sich entscheiden, ob und in welchem Maß er für eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgt. Unsere genannten Erfahrungen spiegeln lediglich unsere momentane Meinung zum Thema wider.
Gängige Meinung zum Thema Luftfeuchtigkeit in der Papageienhaltung

Zu einer artgerechten Papageienhaltung gehört auch eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit von ca. 60%. Oftmals sinkt die Luftfeuchte in beheizten Räumen allerdings auf 30-40% ab. Bei einem solchen Raumklima fühlen sich lediglich Wüstenbewohner wohl, nicht aber Papageien und Sittiche. Auch Menschen neigen bei zu geringer Luftfeuchte zu Erkältungen; gerötete Augen sind gerade zu Beginn der Heizperiode aufgrund eines solchen Raumklimas nicht selten. Weitere Indikatoren für eine zu geringe Luftfeuchtigkeit sind beispielsweise Pflanzen mit eingerollten Blättern und eingerollten Blattspitzen. Auch die so genannten Spinnmilben siedeln sich bei zu trockener Luft gerne in den Pflanzen an. Eine konstant niedrige Luftfeuchtigkeit unter 60% führt dazu, dass Papageien und Sittiche auf kurz oder lang erkranken:
- Durch zu trockene Luft werden die Schleimhäute der Atemwege gereizt, und der Vogel wird anfälliger für Infektionen. Vor allem das Wachstum von Schimmelpilzen im Atmungssystem der Vögel kann dadurch gefördert werden. Diese Krankheit trägt den Namen Aspergillose: Auch einer unserer Mohrenkopfpapageien ist leider davon betroffen.
- Zu trockene Luft lässt zudem das Gefieder der Vögel stumpf aussehen. Die Haut wird trocken und beginnt zu jucken, was zu verstärktem Putzen und schließlich zum Gefiederrupfen führen kann.
- Zu geringe Luftfeuchtigkeit behindert weiterhin den Schlupf und die Jungenaufzucht. Ist die Luftfeuchte zu gering, sind Krankheiten und bleibende Behinderung bei den Jungtieren nicht selten. Liegt die Luftfeuchtigkeit im Nistkasten konstant unter 40%, können sich die Extremitäten nicht adäquat entwickeln, da sich die Haut nicht dehnt (toe syndrome).
Im folgenden werden einige Möglichkeiten genannt, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen: Die genannten Möglichkeiten haben sich bei uns bewährt bzw. nicht bewährt. Vorweg seien aber noch folgende Hinweise gegeben:
- Regelmäßiges Lüften ist bei einer Vogelhaltung im Wohnbereich unabdingbar.
- Die Luftfeuchtigkeit kann in Wohnräumen nicht beliebig hoch sein: Schimmelbildung an Möbeln und Tapeten ist sonst möglich.
Gerade im Winter schlägt sich die Luftfeuchtigkeit gerne an den Fensterscheiben nieder ("Schwitzwasser"). Diese müssen dann entsprechend gereinigt werden. - Im Sommer kann warme und feuchte Luft anfangen, abgestanden zu riechen. Dies ist auf alle Fälle zu vermeiden. (Trockene Luft ist besser als schimmelige.)
Luftwäscher von Venta - empfehlenswert
Äußerst zufrieden waren wir mit dem Venta Luftwäscher.
Dieser läuft ohne Filterkassette; lediglich eine dafür vorgesehene Flüssigkeit wird zur Reduzierung der Oberflächenspannung ins Wasser gegeben.
Angeblich hält das Venta-Reiniungsmittel das Wasser für ca. 10-14 Tage keimfrei und reduziert bewiesenermaßen die Algenbildung. Wir selbst reinigen unseren Venta ca. ein- bis zweimal wöchentlich.
Die Wartungskosten für den Venta sind sehr gering. Für den Dauerbetrieb ist der Venta-Luftwäscher nur zu empfehlen. Er leistet problemlos eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit. Auch die Reinigung ist vom Hersteller äußerst durchdacht.
Melitta Aclimat - eine Fehlinvestition
Mit dem Luftbefeuchter Aclimat B25 / B50 von Melitta hatten wir zu Beginn unserer Papageienhaltung einen Fehlkauf getätigt. Wir raten zukünftigen Papageienhaltern deshalb unbedingt vom Kauf dieses Gerätes ab: Die Filterkassette muss spätestens alle 2-3 Wochen ausgewechselt werden, da sie im Dauerbetrieb nach dieser Zeit nicht mehr hygienisch aussieht und auch eine Geruchsbildung aufweist. Da eine Filterkassette recht teuer ist, bringt der Melitta Aclimat hohe Wartungskosten mit sich. Lediglich in den ersten Tagen nach Einsetzen einer neuen Filterkassette erreichte der Aclimat eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nach spätestens einer Woche allerdings hatte das Gerät Schwierigkeiten, eine Luftfeuchtigkeit über 50% zu erreichen. Der Luftbefeuchter von Melitta war zudem nicht gut zu reinigen. Gerade der Wassertank erwies sich in der Reinigung als sehr problematisch.
Verdampfer oder Verdunster oder Ultraschall-Vernebler?
Verdampfer
- Der Venta Luftwäscher arbeitet nach dem Prinzip der Kaltverdunstung. Bei einem Verdunster ist eine Übersättigung der Luft nicht möglich.
- geringer Stromverbrauch (32 W)
- für den Dauerbetrieb geeignet
Verdunster
- Bei einem Verdampfer ist es möglich, dass die Luft mit Feuchtigkeit übersättigt wird, so dass die Feuchtigkeit sich an Möbeln, Wänden und Einrichtungsgegenständen niederschlägt und diese dann zur Schimmelbildung neigen.
- hoher Stromverbrauch (bis zu 850 W)
- aus genannten Gründen nicht für den Dauerbetrieb geeignet
Ebenfalls auf dem Markt erhältlich sind so genannte Ultraschall-Vernebler. Hier wird die Feuchtigkeit in kleinen Wassertröpfchen versprüht. Problematisch ist hierbei, dass die Keime, die sich im Wassertank gebildet haben, über die Feuchtigkeitströpfchen problemlos an die Zimmerluft abgegeben werden können.
Verdampfer Delonghi
Da wir im Winter häufig Schwierigkeiten haben, eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erreichen, entschlossen wir uns zusätzlich zum Kauf eines Verdampfers. Dieser kann gerade nach dem Lüften eingesetzt werden, um die Luftfeuchtigkeit schnell nach oben zu pushen. Er sollte laut Anleitung nicht über 50 % Luftfeuchtigkeit eingesetzt werden: Insofern ist er natürlich nicht für den Dauerbetrieb geeignet. Der Verdampfer (wir verwenden ein Modell namens Delonghi) ist eine sehr hygienische Art zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit: Da das Wasser erhitzt wird, sind keine Keime und Bakterien im abgegebenen Wasserdampf enthalten. Zudem ist unser Verdampfer einfach zu reinigen.
Zimmerbrunnen
Auch Zimmerbrunnen können zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit beitragen. Mittlerweile besitzen wir verschiedene Modelle, die sowohl praktischen Gesichtspunkten (leicht zu säubern) als auch ästhetischen Kriterien genügen. Insgesamt müssen Zimmerbrunnen, damit sie nicht zu Keimschleudern werden, regelmäßig geputzt werden. Wir selbst reinigen unseren Zimmerbrunnen ca. ein- bis zweimal wöchentlich.
Literatur
* Als Grundlage für den theoretischen Hintergrund dieser Ausführungen zur Luftfeuchtigkeit nahmen wir folgenden Artikel: Herder, Ingeborg: Auf das Wohnklima kommt es an! In: WP-Magazin, 1/2001, S. 6-13.
