Geschlechtsbestimmung von Mohrenkopfpapageien (als PDF)

Geschlechtsbestimmung aufgrund äußerer Merkmale???

Bei Mohrenkopfpapageien können Männchen und Weibchen aufgrund äußerer Merkmale nicht sicher voneinander unterschieden werden!

Bauch - Weibchen
Bauchgefieder Ali
Einige Autoren weisen daraufhin, dass weibliche Mohren mehr Grünanteil im Gefieder hätten als ihre männlichen Partner: Das Brustdreieck sei bei Weibchen größer und tiefer nach unten gezogen als bei Männchen.  Bauch - Männchen
Bauchgefieder Molle
Steiß - Weibchen
Steißgefieder Ali
Vor allem am Steißgefieders sei die unterschiedliche Ausfärbung auffällig.
Auch hätten männliche Mohren immer rein gelbe bzw. orange farbige Unterschwanzfedern. Bei Weibchen seien die Federn eher grün.
Steiß - Männchen
Steißgefieder Molle
Kopf - Weibchen
Kopfform Ali
Andere Autoren wiederum erwähnen, dass männliche Mohren einen wuchtigeren und breiteren Schädel hätten. Bei Weibchen dagegen sei der Kopf im Vergleich eher kleiner und rund.  Kopf - Männchen
Kopfform Molle

Die genannten Angaben basieren auf eindeutig mittels Endoskopie oder DNA-Analyse untersuchten Mohrenkopfpapageien, so Wagner in seinem hervorragenden Buch. Das heißt: allein von den genannten Merkmalen kann man keine sichere Geschlechtsbestimmung vornehmen. Hat man allerdings eine Geschlechtsbestimmung mittels DNA oder Endoskopie, so kann man diese geschlechtsspezifischen Merkmale u.U. feststellen.
Wer also bereits Mohrenkopfpapageien hält, kann bei seinen Tieren gerne nachschauen, ob sich die Gefiederausfärbungen bzw. die Kopfform mit den Ergebnissen der DNA-Analyse bzw. der Endoskopie decken... Zu erwähnen ist dabei, dass sich die unterschiedliche Gefiederausfärbung erst bei adulten Tieren zeigt, die bereits eine erste Mauser und einen Gefiederwechsel hinter sich haben.

Gegengeschlechtliche Paare

Mohrenkopfpapageien sind in menschlicher Obhut am besten paarweise zu halten. Im Gegensatz zu anderen Papageien, muss es sich hierbei um ein richtiges Paar handeln, sprich ein Männchen und ein Weibchen. Spätestens ab der Geschlechtsreife im Alter von 3 Jahren reagieren Mohren aggressiv gegenüber gleichgeschlechtlichen Mohren. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, dennoch sollten gerade neue Halter von Mohrenkopfpapageien darauf achten, dass sie ein gegengeschlechtliches Paar zusammenstellen. Die Gefahr, dass das gegengeschlechtliche Paar eines Tages anfängt, einem Brutgeschäft nachzugehen, ist m.E. kleiner als:

Es geht also wirklich um Tod oder Leben, wenn zwei gleichgeschlechtliche Mohren in einem Käfig oder einer Zimmervoliere zusammengehalten werden. Die beiden Mohren können gerade noch die besten Freunde sein und plötzlich die größten Feinde werden. Das stärkere Tier wird den gleichgeschlechtlichen Partner unterdrücken, jagen, beißen, was im schlimmsten Fall zum Tod eines Tieres führen kann. Deshalb ist es auf jeden Fall sinnvoll, eine sichere Geschlechtsbestimmung vorzunehmen und auf diesem Weg ein gegengeschlechtliches Paar zusammenzustellen. Ich selber befürworte hierbei die DNA-Analyse.

DNA-Analyse

Die DNA-Analyse ist eine sehr sanfte Methode, dass Geschlecht eines Vogels zu bestimmen. Zur Durchführung benötigt das gewählte Institut eine kleine Menge Blut des Vogels. Auch mittels einer frischen Schwung- oder Schwanzfeder ist eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung möglich: Jeder Federkiel eines Vogels enthält eine gewisse Anzahl körpereigener Zellen. Jede dieser Zellen wiederum enthält die Erbinformation des gesamten Tieres. Die Erbinformation ist hier in einer besonderen Struktur (DNA) notiert. Die DNA enthält u.a. auch Informationen über das Geschlecht des Tieres. Die DNA wird mit molekularbiologischen Methoden sichtbar gemacht.
Eine Geschlechtsbestimmung mittels Feder ist also bereits bei Jungvögeln möglich, die eine erste Befiederung aufweisen. Am problemlosesten ist es für den Papageienhalter, wenn die Geschlechtsbestimmung mittels Feder-Analyse bereits beim Züchter stattgefunden hat. Grundsätzlich sollte jeder Züchter m.E. eine so durchgeführte Geschlechtsbestimmung seiner Jungvögel organisieren...

Ist die DNA-Analyse nicht beim Züchter durchgeführt worden und benötigt der Mohrenhalter eine Geschlechtsbestimmung, um ein gegengeschlechtliches Paar zusammenzustellen bzw. um Gewissheit über das Geschlecht seiner Vögel zu bekommen, kann er auch selbst 1-2 Schwung- oder Schwanzfedern bei den zu untersuchenden Vögeln entnehmen. Natürlich übernimmt dies auch gerne ein Tierarzt. Lediglich ein Institut, das ich in der Linkliste erwähnt habe, bietet an, eine Geschlechtsbestimmung des Tieres anhand von 4-5 Brustfedern vorzunehmen. Hierbei sollten die Federkiele allerdings intakt sein. Die frisch gezogenen Federn sollten nicht am Kiel angefasst werden, da dies das Ergebnis verunreinigen könnte. Die Federn werden vom Halter, Züchter oder Tierarzt anschließend in Alufolie oder kleine Plastikbeutel verpackt und mit einigen Informationen (Vogelart, Ringnummer, Federtyp) an die entsprechende Institution verschickt. In der Linkliste habe ich einige Adressen von Instituten aufgeführt, die eine Geschlechtsbestimmung von Vögeln mittels Feder-Analyse durchführen. Die angegebenen Websites sind recht interessant und informativ. Zudem lohnt sich ein Vergleich, da die Preise für eine Geschlechtsbestimmung sehr variieren. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es sich bei dem zu untersuchenden Blut auch um frisch entnommenes Blut handeln kann: Wedel nennt hier die Möglichkeit, die DNA-Analyse bereits bei (unbefiederten) Nestlingen durchzuführen, indem ein Tropfen Blut aus der Vogelkralle entnommen wird. Dies ist meist nur durch den Tierarzt möglich, da der private Tierhalter, sich dies wahrscheinlich nicht zutrauen wird. Des weiteren wird er vor der Schwierigkeit stehen, das Blut in einem geeigneten Gefäß aufzutragen, um es an die entsprechende Institution zu verschicken. Über die Art und Weise, wie frisch entnommenes Blut aufbewahrt und verschickt werden soll, konnte ich in der mir bekannten Literatur keine weiteren Hinweise finden. Lediglich ein Institut, das ich in der Linkliste aufgeführt habe, bietet auf seiner Website die DNA-Analyse mittels einiger Bluttropfen an: Spezielle Gefäße für das Blut können dort angefordert werden.

Endoskopie

Früher, Anfang der 90er Jahre, war die Endoskopie die beste Möglichkeit, das Geschlecht eines Vogels sicher festzustellen. Die Geschlechtsbestimmung per DNA-Analyse befand sich noch in den Kinderschuhen und konnte somit noch nicht als wirklicher Konkurrent gezählt werden... Heutzutage allerdings ist die Endoskopie als Möglichkeit, das Geschlecht eines Vogels zu bestimmen, in meinen Augen überholt.
Bei einer endoskopischen Untersuchung handelt es sich um eine Art Operation, die am Vogel durchgeführt wird. Bei jeder Endoskopie ist es notwendig, das Tier zu narkotisieren, wobei das Narkose-Risiko angeblich recht gering sein soll. Vor der Untersuchung sollte der Vogel 1-3 Stunden fasten: So reduziert sich laut Wedel das Risiko, dass der Vogel am Futter erstickt. Zumal ist es einfacher die Organe aufzufinden, wenn Magen und Därme nicht prall mit Futter gefüllt sind und so die Sicht behindern (Wedel, S.91). Allein schon an diesen Vorbereitungsmaßnahmen ist zu erkennen, dass es sich um einen wirklichen chirurgischen Eingriff handelt.
Für die Untersuchung wird der Operationsbereich des Vogels gerupft und die Haut leicht desinfiziert: Die linke Flanke des Tieres wird durchstoßen (Einschnittloch ca. 2-3mm) und das Endoskop eingeführt. Nun ist es dem Tierarzt möglich, die inneren Organe des Vogels zu begutachten. Sind Hoden vorhanden, handelt es sich um ein Männchen. Ein Eierstock weist daraufhin, dass es sich beim untersuchten Tier um ein Weibchen handelt. Für eine reine Geschlechtsbestimmung ist dieser Eingriff m.E. nicht notwendig. Viele Züchter lassen bei ihren Zuchtpaaren den Eingriff dennoch durchführen, um gleichzeitig zu sehen, ob die Tiere zuchtfähig und gesund sind, d.h. ob die Geschlechtsorgane und die inneren Organe intakt sind. Über ein solches Vorgehen lässt sich natürlich streiten...

Generell muss gesagt werden, dass es sich bei der Endoskopie um eine wertvolle, diagnostische Methode handelt, um z.B. innere Erkrankungen des Vogels festzustellen und dann auch gezielt zu behandeln. Für eine reine Geschlechtsbestimmung des Tieres, wie sie für jeden Privathalter von Mohrenkopfpapageien genügen dürfte, finde ich die Endoskopie allerdings nicht angemessen! Ein weiterer kritischer Aspekt, den es zu bedenken gilt, ist folgender: Die Geschlechtsorgane der Vögel sind bei jungen Tieren noch nicht vollständig ausgereift, so dass eine endoskopische Untersuchung im Alter von wenigen Monaten nicht unbedingt so aussagekräftig ist wie die Endoskopie eines adulten Tieres. Die DNA-Analyse dagegen kann bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit aussagekräftigen Ergebnissen durchgeführt werden.

Welche Art der Geschlechtsbestimmung ist sinnvoll?

"Beide Methoden haben ihre Berechtigung und es hängt von der Intention des Halters ab, für welche Methode er sich entscheidet. Wünscht er neben einer Geschlechtsbestimmung auch die Untersuchung einer PBFD- oder Polyomainfektion, dann wird er die DNA-Untersuchung wählen, möchte er dagegen die Geschlechtsbestimmung mit einer Untersuchung innerer Organe und einer Zuchttauglichkeitsprüfung kombinieren, ist dies nur durch Endoskopie möglich" (Hoppe; Welcke: Langflügelpapageien. Ulmer, 2006. S.58).