Gibt es einen Zusammenhang zwischen Aspergillose und Selbstrupfen?
Mogli rupfte sich für uns sichtbar im Mai 2005 im Anschluss an die schweren Erstickungsanfälle des vorhergegangenen Tages.
Beschreibung des Selbstrupfen im Mai 2005:
"Am Folgetag (25. Mai) wollte Mogli während des Freiflugs abgeduscht werden. Als er nass war, begann er plötzlich hektisch seine Federn zu putzen und Federkiele zu ziehen. Diese zerkaute er - dann wurde ein weiterer Kiel gezogen. Mogli steigerte sich in eine wahre Raserei - teilweise wurde er richtig wütend, wenn er einen bestimmten Kiel nicht ziehen konnte. Teilweise versuchte er sogar, Kiele im Bauchbereich mit der Kralle zu umfassen. Wir riefen umgehend den Tierarzt an, der einen Zusammenhang zwischen Rupfen und Lamisilgabe (dies hatten wir zuerst vermutet), verneinte. Vielmehr sei der Stress vom Vortag (Erstickungsanfälle) für das Selbstrupfen ursächlich. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Aspergillose und Selbstrupfen? Wir waren wirklich verzweifelt - sahen wir doch, wie sehr Mogli leiden musste, wenn er in seiner Verzweiflung begann, sich selbst zu rupfen. Wir waren hilflos: Sollten wir auf das Rupfen reagieren und das Tier auf diese Weise konditionieren, wie es in der gängigen Literatur heißt? Sollten wir einfach zuschauen, wie Mogli sich selbst Schmerzen zufügte? Wir versuchten, Mogli abzulenken, was gar nicht so leicht war... Auch seine Partnerin Ali hatte nicht viel Erfolg, ihn am Rupfen zu hindern. Seit dem 30. Mai, also 5 Tage nach dem Erstickungsanfall, konnte ich eine deutliche Verbesserung bei Mogli feststellen: Er wurde lebensfroher, pfiff vor sich hin und flog sogar die eine oder andere Runde freiwillig im Wohnzimmer. Zudem beschäftigte er sich weniger mit seinem Gefieder: Manchmal putzte er sich sogar richtig sanft. Dies kann daraufhin deuten, dass Mogli zum Selbstrupfen neigt, wenn er sich unwohl fühlt. Positiv gesagt, könnte dies bedeuten, dass er das Rupfen einstellt, sobald er es ihm besser geht. Auf der anderen Seite wird ein einmal rupfendes Tier immer wieder auf diese Lösungsstrategie zurückgreifen - ich denke, da muss ich mir nichts vormachen..."
hier geht zur Dokumentation des Aspergillose-Verlaufs von Mogli).
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Für mich ist das Selbstrupfen hier eine klare Kompensation der Todesängste, die Mogli zuvor erlitten hatte. Dazu kommen natürlich weitere Faktoren... Seit Anfang 2004 versuchten wir während des täglichen Freiflugs beide Tiere zu trainieren, um sie körperlich fit zu halten und durch eine verstärkte Atmung eine Aktivierung der Lungen / Luftsäcke zu erreichen. Hierzu mussten die Vögel 30 Runden zwischen Wohn- und Arbeitszimmer fliegen, was einer Wegstrecke von ca. 800-1000 Metern entspricht. Wir nahmen hierbei zwar Rücksicht auf Moglis Atmung und verlangsamten das Tempo, in welchem die Vögel hin- und her geschickt wurden. Meist aber mussten beide Tiere ein Minimum von 25 Runden absolvieren in einem Zeitraum von 10-15 Minuten. Im Nachhinein sind wir der Ansicht, dass dies eventuell einen zusätzlichen Stressfaktor für Mogli darstellte. Das Fliegen führte u.U. zu einer Überforderung im Hinblick auf seine Aspergillose und die damit verbundenen Atmungsschwierigkeiten: Diese Überforderung hat ihm eventuell sowohl körperlich als auch psychisch geschadet. Aufgefallen war uns bereits seit Ende 2004 die immer wieder auftretende hektische und auffällige Gefiederpflege von Mogli in den Flugpausen. Laut Sonnenschmidt / Wagner kann übertriebene Gefiederpflege ein frühes Anzeichen für Federrupfen sein (Sonnenschmidt / Wagner: Kraulschule für zahme Vögel, S.112). Seit Ende Mai 2005 lassen wir Mogli deshalb selbst entscheiden, wann und wie viel er fliegen möchte, um ihm diesen Stressfaktor zu ersparen: "Ein Streßfaktor verleitet den Vogel zu einem Sabotageprogramm, das ihn am Fliegen hindert, obgleich er nichts anderes als fliegen will; er zerstört seine Federn" (Sonnenschmidt / Wagner: Vögel. Akupunktur - Homöopathie - Bach-Blütentherapie - Kinesiologie, S.136).
Welche Stressfaktoren können Mogli also zum Sabotageakt "Federrupfen" veranlasst haben?
- Stress, der durch die Aspergillose ausgelöst wird - wie: Atemnot, Medikamentengabe, Tierarztbesuche, Unwohlsein usw.
- Inhalationen mit Imaverol: Eventuell wird Mogli durch den Imaverolgeruch auf seinem Gefieder dazu animiert, sich intensiver zu putzen. Dieser Gedanke ist nicht belegt!
- Stressfaktor "erzwungener Freiflug", wie oben beschrieben. Hier können durch die verstärkte Atmung beim Fliegen Atmungsprobleme aufgrund der Aspergillose aufgetreten sein, die Mogli unter Stress setzten und eventuell Todesängste in ihm auslösten.
- Federrupfen als Langzeitfolge der Handaufzucht - wird jetzt eklatant sichtbar mit beginnender Geschlechtsreife. Für diesen Punkt spricht außerdem das Partnerrupfen, das wir im Jahr 2004 beobachteten und das auch im Jahr 2005 wieder auftrat: Mogli ruft seine Partnerin bei der gegenseitigen Gefiederpflege im Nackenbereich. Diese nicht artgemäße Beschäftigung mit den Federn des Partnervogels kann als Pendant zum Selbstrupfen gesehen werden. Zudem konnten wir unseren Notizen und Gedanken zum Partnerrupfen entnehmen, dass Mogli bereits im Jahr 2004 zwei kahle Stellen im Gefieder hatte: "Bei Mogli setzte in diesem Jahr [2004] die erste Mauser ein, in der er sehr viele Federn verlor. Das Schreien und die Unausgeglichenheit ist vielleicht auch auf dieses Phänomen zurückzuführen. Mir fielen in den Monaten Mai / Juni / Juli 2004 zwei "kahle" Stellen in Moglis Gefieder auf: einmal in der Nähe des Steiß unter dem Flügel, einmal an der Brust. Beide Stellen waren lediglich mit weißen Daunen bedeckt, das Deckgefieder fehlte.
Ich vermute, dass Mogli hier die Federn selbst ausrupfte, vielleicht verursacht durch einen Juckreiz, vielleicht aber auch aufgrund einer möglichen Unausgeglichenheit / Frustration. Nach einigen Tagen wuchsen an den entsprechenden Stellen jeweils ca. 10-15 Federkiele mit Deckgefieder, die von Mogli unversehrt blieben". Weitere Informationen zum Partnerrupfen gibt es hier.
Wie so oft im Leben wird es leider nicht möglich sein, DIE Ursache zu finden und so das 'Fehlverhalten' zu eliminieren. Vielmehr werden auch hier verschiedene Faktoren Hand in Hand gehen und so zur Endreaktion 'Selbstrupfen' führen. Für uns als Papageienhalter bleibt allerdings das Gefühl zurück, versagt zu haben... Da ist es nur ein schwacher Trost, wenn Sonnenschmidt / Wagner schreiben: "Dieses traurige Kapitel der Vogelhaltung [gemeint ist hier: Federrupfen (eigene Anmerkung)] ist längst nicht mehr auf die üblichen Ursachen wie Einzelhaltung, Umgebungsänderung, Überforderung durch Besitzer, die ihren Papagei mit Sprechübungen stressen... beschränkt: Es rupfen sich auch Sittiche und Papapgeienvögel unter optimalen Haltungsbedingungen" (Sonnenschmidt / Wagner: Vögel. Akupunktur - Homöopathie - Bach-Blütentherapie - Kinesiologie, S.135). Ganz deutlich wird an Moglis Verhaltensweise "Federrupfen als Reaktion auf einen oder mehrere Stressfaktor/en" allerdings folgendes: Mohrenkopfpapageien sind die kleinsten Großpapageien - sie sind in ihren Anforderungen durchaus ebenbürtig mit Graupapageien und Amazonen. In ihrer Sensibilität stehen sie den "Großen" zudem in keiner Weise nach...
Juni 2006: Lichtblicke...
Moglis Gesundheitszustand ist stabil - er rupft sich kaum. Nur ganz selten finden wir einen Federkiel. Wir können keine kahlen Stellen in seinem Gefieder feststellen.
Februar 2010: Kein Selbstrupfen
Moglis Gefieder ist momentan in einem Top-Zustand. Es ist kein Selbstrupfen mehr festzustellen. Leider wird Ali weiterhin im Nackenbereich gerupft - siehe Bereich: Partnerrupfen



