Poicephalus
| Leon und Lena - zwei Mohrenpersönlichkeiten stellen sich vor |
Susanna berichtet über ihre MohrenText und Bilder von Susanna Scherer Zum Tode verurteilt? – Totgesagte leben länger!!!Im September 2000 wurde ein flugunfähiger, unberingter Mohrenkopfpapagei bei uns in der Praxis zum Einschläfern abgegeben. Bis auf einen hängenden Flügel war der Vogel aber soweit in guter Verfassung. Etwas mager war er, aber munter. Meine Chefin entschied sich gegen eine Euthanasie und wollte den Vogel nach einer Rekonvaleszenz in ein liebevolles Zuhause vermitteln. Wir machten einen DNA-Test, um das Geschlecht zu bestimmen. Ein Mädchen! Alter unbekannt. Anfangs war „Lena“ sehr schreckhaft. Schon bei der kleinsten Bewegung unsererseits verfiel sie in Panik. Ein hartes Stück Arbeit lag vor uns. Eine Patientenbesitzerin schenkte uns einen älteren Papageienkäfig, da Lena die ersten paar Tage in einer Notunterkunft (einem kleinen Wellensittichkäfig) untergebracht war. Schnell gewöhnte sie sich an ihre neue Behausung und fing an sich etwas zu entspannen.
Lena findet eine FreundinEin paar Wochen später brachte man uns bereits einen weiteren Fundvogel: eine Agapornidendame gesellte sich zu Lena. Bald saßen beide eng kuschelnd im Käfig und kraulten sich gegenseitig. Die beiden waren sehr sozial miteinander: wenn Lena ein Leckerli hatte, hielt sie es der Unzertrennlichen zum Abbeißen hin. Nach und nach reagierte Lena auf die Ansprache von meiner Kollegin und mir. Sie nahm Papayastücke und Obst durch die Gitterstäbe und begrüßte uns morgens, wenn wir kamen. Ich beschloss, die beiden Vögel in meine neue Wohnung mit zunehmen, wenn ich Zuhause auszog. Das dauerte aber noch einige Zeit. Es dauert fast zwei Jahre, bis ich mal den Schnabel kurz anfassen durfte. Dann passiert wieder etwas Aufregendes: eine zweite Unzertrennliche wurde bei uns abgegeben. Sie lebte mit zwei anderen zusammen, die ihr „unbemerkt“ ein Bein abgebissen hatten!!! War den Besitzern tatsächlich nicht aufgefallen!!! Auf einmal war Lena abgemeldet. Die zwei Agas saßen eng aneinander und Lena war das fünfte Rad am Wagen. Ich entschied mich, das ganze zu beschleunigen. Die zwei Agas wurden zusammen vermittelt. Lena bekam einen größeren und schöneren Montana Cage und zog kurz entschlossen bei mir und meinen Eltern ein.
Lena zieht umAn einem Mittwochmittag im September 2002 nahm ich sie samt Käfig mit nach Hause. Während der 20-minütigen Fahrt zwitscherte sie fröhlich in ihrer Transportbox vor sich hin. In ihrem neuen Zuhause schaute sie sich neugierig und aufmerksam um. Am späten Nachmittag passierte etwas Seltsames: sie kam ans Gitter und als ich ihr den Schnabel kraulen wollte, senkte sie den Kopf und hielt ihn mir hin. Erst wusste ich nicht so recht, was sie von mir wollte. Dann versuchte ich ihr den Kopf zu kraulen und Lena gab wohlige Laute von sich. Meine Entscheidung, den Vogel mitzunehmen war also richtig gewesen. Vorher waren mir sehr viele Sachen durch den Kopf gegangen: neues Zuhause, neuer Käfig, neue Menschen, neuer Partner ... ist das nicht zu viel Stress? Fängt sie zu rupfen an? Nein, ihr schien es gut zugehen.
Leon kommt in die FamilieMitte September 2002 kam unser Baby. Wir holten ihn im ca. 200 km entfernten Ahaus ab. Leon war 3 ½ Monate alt. Als wir Leon und Lena zusammen setzten, war es nicht Liebe auf den ersten Blick. Leon ging auf Lena zu, aber sie lief immer weg. Damals mit der Agadame hatte es gleich funktioniert. Meine Hoffnung war, dass sie sich bald kennen und lieben lernten. Lena wurde immer vertrauensseliger mit mir. Ich konnte sie sogar auf der Schulter tragen. Da ich sie langsam gut handhaben konnte, machten wir ein Röntgenbild vom rechten Flügel. Die Schulter war ausgekugelt. Leon hatte sich derweil gut eingelebt und stellte die ganze Wohnung auf den Kopf. Die Beziehung der beiden schien sich Zusehens zu bessern. Lena versuchte jetzt immer mehr sich von Leon etwas abzugucken. Leon flog – also wollte sie auch fliegen. Dass sie eine ausgekugelte Schulter hatte, störte sie bei den Versuchen reichlich wenig. Im März 2003 entdeckte ich bei Lena eine blutige Wachshaut. Hat Leon zugebissen? Ich versorgte die wunde Stelle mit Surolan. Kurze Zeit später fielen Lena viele Federn auf dem Kopf aus. Ich ging zu einem Vogelspezialist, der mit erklärte, dass das eine Folge des Kortisons im Surolan sei. Sie bekam Antibiose. Die Streitereien mit Leon wurden unterdessen immer heftiger. Da mein Urlaub kurz bevor stand, entschloss ich mich, die beiden zu trennen und dann später noch mal eine Verpaarung zu versuchen.
Kein Honeymoon für Lena und LeonDass sich die zwei, aus welchen Gründen auch immer, nicht verpaaren lassen wollten, kam mir nicht in den Sinn. Aber es stellte sich heraus, dass sie sich einfach nicht leiden konnten. Also blieben sie in getrennten Käfigen, aber mit gemeinsamen Freiflug. Da Lena ja nicht fliegen konnte, gestaltete der sich dann meist so, dass Lena auf meiner Schulter saß und Leon rum flog. Diese Lösung funktionierte meistens sehr gut. Als meine Eltern im Mai 2004 kurzfristig umzogen, musste ich mit, obwohl meine eigene Wohnung zusammen mit meinem Freund schon in Sichtweite war - allerdings erst im September. Für diesen Zeitraum, teilte ich mit meinen Papageien ein Zimmer. Es fiel mir auf, dass Lena immer wieder niesen musste. Sie kratzte sich auch mehr an der Nase als sonst. Auch Leon nieste ab und an.
Diagnose AspergilloseWir entschlossen uns, beide Mohren röntgen zu lassen. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden zur entsetzlichen Gewissheit: Aspergillose. Mir war, als zöge jemand den Erdboden unter meinen Füßen weg. Keiner kann genau sagen, wo und wann sich die Geier infiziert haben. Die Meinungen gehen auseinander. Die Behandlung mit Lamisil verlief sehr gut. Leon und Lena nahmen die Medikamente brav mit Hipp-Babybrei. Trotz der Pilzerkrankung ließ sich Lena nicht davon abhalten, ihre Flugversuche zu vertiefen. Sie flog immer besser und besser.
Neue Wohnung mit GeierzimmerIm August 2005 unterschrieben wir unseren Mietvertrag für die eigene Wohnung. Eines der Zimmer sollte ein Geierzimmer werden. Ich strich es leuchtend gelb an. Leon bekam eine Voliere mit den Maßen 2m H x 1,2m B x 1m T und Lena bekam die alte Voliere von Panchi und Mogli (danke noch mal an Anja und Herb, Lena liebt sie!!!) mit den Maßen 1,8m H x 1,4m B x 0,75m T.
Als wichtigste Volierenaustattung habe ich den beiden jeweils eine große Badeschale hinein gehängt. Man könnte meinen, bei beiden Mohren ist mal eine Ente eingekreuzt worden; es fehlen nur noch die Schwimmhäute!!! Hinter die Volieren haben wir Fototapeten geklebt. Wasserfälle mit grünen Pflanzen und blauem Himmel. Ein dickes Tau habe ich bei Ebay ersteigert und 2 x quer durch den Raum gespannt. Daran hängen ein Weidenkorb und noch mehr Spielzeug. Den selbst gebauten Kletterbaum können wir aufgrund der Räder auch mit ins Wohnzimmer nehmen. Im Geierzimmer herrscht eine Luftfeuchtigkeit von ca. 60 – 70 % und durch die Kompaktlampen von Arcadia haben sie jetzt auch das richtige Licht. Zu Leons Lieblingsspielen gehört, sich in Buchenholzgranulat zu wälzen und sich rücklings in seine Spielsachen zu legen. Lena spielt sehr selten. Aber sie liebt es, wenn sie eine Korkrinde zerkleinern darf.
Wenn ich die beiden sonntags mit zu meinen Eltern nehme, ist ihre Lieblingsbeschäftigung in die Gardinen zu springen... und meine, sie dort wieder raus zu pflücken!!! Außerdem sind meine Mopas große Obst- und Gemüsefreunde. Rote Paprika ist ein großer Renner und für Trauben würden sie töten. Getrocknete Bananenchips gehören zu Leons Leibspeisen. Aber eigentlich frisst er alles. Lena ist da etwas verwöhnter. Physalis findet sie klasse und bestimmte Apfelsorten wie z. B. Jona Gold und Granny Smith nimmt sie gerne. Außerdem liebt Lena Kiwano abgöttisch. Wenn ich mit dieser Frucht ins Geierzimmer komme, wird sie immer ganz aufgeregt und kann es kaum abwarten, bis ich sie im Käfig befestigt habe.
Die Badebilder von Leon sind ja bereits bekannt. Aber auch Lena badet, wenn auch meist ohne Zuschauer. Beweise dafür, dass auch Fräulein Lena „rumplanscht“ finde ich im Anschluss genug: halbleere bis leere Wasserschale, völlig eingenässtes Buchenholzgranulat unterhalb der Schale und meist auch ein nasser Vogel!!! Die Umgebung außerhalb ihres Zimmers erkunden die Mohren immer mit viel Begeisterung. Leon schießt immer mit Karacho durch den langen Flur bis ins Wohnzimmer. Lena fliegt meist nur im Wohnzimmer und dreht dort immer mal wieder eine Runde. Ab und an muss ich sie dann aus irgendeiner Pflanze pflücken, an die sie sich im Vorbeifliegen dran gehängt hat. Obwohl die beiden kein Paar sind, kann ich sie dennoch zusammen frei fliegen lassen. Manchmal bekriegen sie sich, aber eher selten. Ich denke sie fühlen sich jetzt sehr wohl und ich hoffe, dass sie trotz ihrer Erkrankung noch ein paar schöne Jahre haben.
Abschließende Mohren-Impressionen...
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