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Infoseite über Mohrenkopfpapageien
Clickertraining mit Mohrenkopfpapageien
Informationen zum Clickertraining

Das Grundlagenbuch zum Clickertraining ist für mich:
Ann Castro: Die Vogelschule - Clickertraining für Papageien, Sittiche und andere Vögel. Hattersheim: AdIA Papageienhilfe gGmbH, 2005.

Clickertraining beruht auf dem Prinzip der positiven Verstärkung: Gewünschte Verhaltensweisen werden gezielt verstärkt. Die unerwünschten Verhaltensweisen werden ignoriert. Der Vogel macht so mit dem Trainer "keine negativen Erfahrungen, deshalb wird die Beziehung zum Tier immer besser und sein Vertrauen in uns wird erhöht." (a.a.O., S.18).

"Zusätzlich gibt das Clickertraining dem Tier ein gewisses Maß an Kontrolle über seine Umwelt. Es lernt, daß es in der Lage ist, zu kommunizieren und Veränderungen in seiner Umwelt aktiv mitzugestalten" (a.a.O., S.18). Möchte der Vogel also ein Leckerli haben, weiß er genau, mit welcher Verhaltensweise er den Trainer dazu motivieren kann. Dadurch wird das Selbstvertrauen des Vogels gestärkt und Ängste abgebaut.
Wer sich näher mit dem Clickertraining beschäftigen möchte, sei hier auf die Bücher von Ann Castro aufmerksam gemacht sowie diverse Internetforen rund um das Thema Clickertraining bei Papageien und Sittichen.

Der Clicker

Mithilfe des Clickers erkennt der Vogel einen Zusammenhang zwischen Verhalten und Belohnung. Beispiel: Der Fuß wird gehoben - Click - Belohnung

Das Clickgeräusch wird also mit einer Belohnung verbunden, sprich konditioniert. So wird für den Vogel eindeutig, welches Verhalten die Belohnung ausgelöst hat. Zum Konditionieren muss die Belohnung sofort, also innerhalb von maximal zwei Sekunden erfolgen. "Es ist sehr wichtig, daß Sie sich innerhalb dieser Zeitspanne befinden, damit der Click auch wirklich mit dem Leckerli in Verbindung gebracht wird" (a.a.O., S.51).
Natürlich könnte hier auch das verbale Lob "Fein" als Signal dienen. Nachteil hiervon ist allerdings, dass das Lob je nach Stimmung des Sprechers unterschiedlich klingen kann. Ein Clicker dagegen klingt immer gleich und ist nicht emotional gefärbt. Desweiteren ist das Click-Geräusch lediglich in Trainingssituationen zu hören, wohingegen lobende Worte auch im Lauf des Tages - ohne Verknüpfung mit einer Belohnung - fallen.
Es gibt unterschiedliche Arten von Clickergeräten. Hier muss der Papageienhalter selbst herausfinden, welches Gerät für ihn und seine Vögel geeignet ist. Mein Lieblingsclicker ist hierbei das Modell unten rechts: Hier kann die Lautstärke gedämpft werden. Das Clickgeräusch wird mithilfe des Knopfes ausgelöst.

Der Targetstick

Als Targetstick kann jedes Stäbchen dienen. Es sollte der Größe des Vogels angepasst sein. Bei unseren Mohren verwenden wir Eßstäbchen (Länge 21cm). Das Ziel ist es, dass der Vogel die Spitze des Targetsticks mit dem Schnabel berührt. Diese Grundübung muss perfekt eingeübt sein, denn sie bildet die Grundlage für alle weiteren Übungen. Weiterführendes Ziel ist es, dass der Vogel dem Targetstick folgt, um beispielsweise auf ein Hindernis zu steigen oder zu einem anderen Ort zu fliegen / gehen.

Shaping - Aufbau von gewünschtem Verhalten

"Beim Shaping fängt man damit an, zunächst Teile des gewünschten Verhaltens einzufangen, indem man den Vogel dabei 'erwischt', wenn er ein Verhalten zeigt, das für eine geplante Übung ausgebaut werden könnte." (a.a.O., S.34)
"Beim Shaping (auch Approximation genannt) wird nicht erst die komplette Handlung verstärkt, sondern bereits jede Annäherung an die gewünschte Handlung. Soll eine Taube etwa auf einen roten Punkt auf einer Scheibe picken, so wird bereits verstärkt, wenn die Taube den Kopf zur Scheibe bewegt; dann, wenn sie zur Scheibe schaut; dann, wenn sie sich der Scheibe nähert; dann, wenn sie auf die Scheibe pickt und schließlich, wenn sie den roten Punkt auf der Scheibe trifft. Insbesondere dient diese Technik der Erlernung komplexerer Handlungsweisen. Auf diese Weise können auch recht unnatürliche Handlungsweisen bei Tieren konditioniert werden, wie sie etwa im Zirkus zu sehen sind." (Wikipedia)
Hat der Vogel beispielsweise gelernt, den Fuß (auf Kommando) zu heben, wird dieses Verhalten nicht mehr regelmäßig belohnt. "Dies löst ein Ausmerzungsverhalten aus, daß ihn dazu bewegt, sein Füßchen höher zu heben". (a.a.O., S.34) Nun wird dieses Verhalten belohnt und der Vogel lernt auf diese Weise, seinen Fuß höher zu heben.

Leckerlis...

Als Leckerli kann im Clickertraining eigentlich alles eingesetzt werden, was der Vogel gerne isst. Wichtig ist dabei, dass es sich um kleine Portionen handelt, die den Trainingsfluss nicht unterbrechen. Ich selbst verwende als Belohnung Joghurt: Diesen fülle ich in ein Gefäß und stippe den Zeigefinger hinein, so dass eine winzige Portion Joghurt hängen bleibt. Diese Portion ist dann die Belohnung für eine gelungene Übung.

Hat der Vogel einen Trainingsdurchbruch erreicht, so empfiehlt Ann Castro einen "Jackpot", also etwas besonders Tolles, das den Vogel zu weiteren Höchstleistungen motiviert. Ich selbst habe hier die Erfahrung gemacht, dass Mogli selbst so stolz auf sich ist, wenn er eine neue Übung (z.B. Sparschwein befüllen) verstanden hat, dass ein besonderes Leckerli gar nicht nötig ist.

Trainingsdauer

Die Trainingseinheiten sollten kurz sein; 2-5 Minuten zweimal täglich sind laut Ann Castro ideal. Zwischen den Einheiten sollte eine Pause von mindestens einer Stunde liegen, so dass sich das Geübte auch festigen kann. "Die tatsächliche Trainingsdauer, die Sie mit Ihrem Tier einhalten hängt stark von der Aufmerksamkeitsspanne und Tagesform ab. An guten Tagen, wenn alle in Hochform sind, kann es sein, daß Sie auch mal 20 Minuten am Stück üben" (a.a.0., S.42). Die Übungsdauer hängt dabei sehr vom einzelnen Vogel ab: Mogli ist zumeist hochmotiviert und arbeite bis zu 20 Minuten; Ali hingegen verliert schon nach wenigen Sequenzen das Interesse und wird unkonzentriert.

Wichtig sind einige kurze und einfache Übungen am Anfang der Einheit, quasi zum Aufwärmen und Einstimmen. Ein positiver Ausklang der Einheit ist ebenfalls bedeutsam, denn nur so behält der Vogel das Training in guter Erinnerung. Ann Castro empfiehlt hier: "Es ist wirklich wichtig, daß Sie immer dann aufhören, wenn es gerade am schönsten ist" (a.a.0., S.43).

Es ist auch möglich, dass der Vogel an manchen Tagen unmotiviert ist und Übungen, die an anderen Tagen problemlos gelingen, verweigert. In solchen Fällen hilft es, die Einheit abzukürzen und zu einfacheren Übungen zurück zu gehen, beispielsweise Berühren des Targetsticks, Fuß heben oder drehen. In keinem Fall darf das Clickertraining zu Stress oder Unzufriedenheit (bei Vogel oder Halter) führen. Der gemeinsame Spaß am Clickertraining sollte zu allen Zeiten im Vordergrund stehen.

Das Handling

Während des Trainings müssen, Targetstick, Clicker und Belohung zeitgleich in der Hand organisiert werden. Ich halte hierzu den Targetstick in der linken Hand. Am rechten Zeigefinger ist die Joghurtportion; mit der rechten Hand wird der Clicker bedient. Wie der Papageienhalter die einzelnen Dinge organisiert, ist natürlich Übungssache und persönliche Vorliebe.
Ann Castro beschreibt in ihrem Buch die Organisation der Gegenstände, wenn der Vogel das Auf-Kommando (also das Aufsteigen auf die Hand lernt). In diesem Fall steht dem Trainer ja nur eine Hand zur Verfügung für Targetstick, Clicker und Belohnung (a.a.0., S.80).

Was geübt werden kann...

Mithilfe des Clickertrainings kann eigentlich jedes Verhalten geübt und verstärkt werden:

  • Abbau von Angst vor der menschlichen Hand
  • Auf-Kommando zum Aufsteigen auf die Hand
  • Komm-Kommando als Zuflug auf Kommando
  • Fuß heben oder im Kreis drehen
  • Dinge "apportieren"
  • Sparschwein befüllen