Poicephalus
| Bücher über Mohrenkopfpapageien |
Hoppe, Dieter; Welcke, Peter: Langflügelpapageien. Ulmer, 2006.
Bei diesem Buch handelt es sich um die vollkommen überarbeitete und erweiterte Neuauflage des Buches aus dem Jahr 1990. Vorab nur soviel: Das Buch ist sowohl inhaltlich als auch von den Bildern her sehr gut. Es zeigt einzigartige Naturaufnahmen z. B. den Angriff eines Sperbers auf einen Langflügelpapageien. Des Weiteren ist ein juveniler Niam-Niam-Papagei abgebildet. Der erste Teil des Buches ist der Papageiengattung Poicephalus gewidmet. Hoppe / Welcke beschreiben sie als 'große Charaktere im dezenten Look': "Afrikas Papageien sind unscheinbarer, aber sie bereichern mit ihrem Erscheinungsbild wesentlich die Avifauna des Kontinents" (S.6). Die Autoren beschreiben das Verbreitungsgebiet und den Status der Langflügelpapageien, wobei sie dezidiert auf den Wildfang und die Fangquoten eingehen. Galt im Jahr 1990 der Bestand noch als gesichert, so wird diese Aussage heute "angesichts unverantwortlich hoher Fang- und Exportquoten und der stark veränderten Habitatstrukturen" in Frage gestellt (S.17). "Bei der Konkurrenz um die schwindenden Ressourcen gehören auch die Poicephalus-Spezies zu Verlierern" (S.20). Hoppe / Welcke benennen hier die Umweltzerstörung durch Entwaldung, Brandrodung, Anbau von Monokulturen, extensive Vieh- und Weidewirtschaft usw. Die Autoren prangern Missstände wie die (weiterhin) 'erlaubte Ausfuhr' und die Wildentnahmen an und machen dadurch auf die Einzigartigkeit der afrikanischen Natur und deren Schutz aufmerksam. Im zweiten Teil des Buches geht es um die Pflege und Zucht von Langflügelpapageien. Die Haltung von Langflügelpapageien in kombinierten Innen- und Außenvolieren wird hier als ideal dargestellt. Für die reine Wohnungshaltung wird die Haltung in einer Zimmervoliere empfohlen. Neben der passenden Beleuchtung und guter Belüftung gehen Hoppe / Welcke nur in einem Teilsatz auf die Luftfeuchtigkeit ein: Das regelmäßige Besprühen ist notwendig für die Gefiederpflege und das Wohlbefinden der Vögel. Die Notwendigkeit einer hohen Luftfeuchtigkeit wird von Hoppe / Welcke indessen nicht genannt: Ob dies zur Unterstützung meiner Theorie herangezogen werden kann, vermag ich nicht zu sagen... Ausführlich gehen die Autoren auf die Zucht von Langflügelpapageien ein (Nistkasten, Geschlechtsbestimmung, Paarung und Brut...).Langflügelpapageien haben jahreszeitlich undefinierte Brutperioden mit der Folge, "dass es häufig nicht zu einem gleichzeitigen Einsetzen der Brutstimmung beider Partner kommt. Ausbleibende Bruterfolge sind durchaus nicht nur auf ungenügendes Harmonisieren verschiedengeschlechtlicher Partner, sondern vielfach auf die fehlende Synchronität zwischen ihnen zurückzuführen" (S.64). Ergänzung zur Luftfeuchtigkeit: Im dritten Teil des Buches werden die einzelnen Poicephalus-Arten ausführlich dargestellt. Ich selbst gehe im folgenden lediglich auf den Mohrenkopfpapagei ein, der in seinen drei Unterarten vorgestellt wird. Die Autoren halten es dabei für sinnvoll und notwendig, die gleichen Unterarten miteinander zu verpaaren. Dem kann ich im Zuge der Artenerhaltung durchaus zustimmen. Interessant sind die Ausführungen zur Umfärbung der Iris beim Mohrenkopfpapagei: "Die Umfärbung in die gelbe Irisfärbung erwachsener Vögel erfolgt allmählich und ist mit einem Lebensjahr noch nicht völlig abgeschlossen. Dabei ist zu beachten, dass für die Umfärbung ungefiltertes Sonnenlicht erforderlich ist; bei Haltung junger Mohrenkopfpapageien in Innenräumen bleibt die Iris grau oder wird weißlich. Dieser Vorgang ist reversibel, bei erwachsenen Mohrenkopfpapageien färbt sich die gelbe Iris nach einiger Zeit wieder weiß oder hellgrau um, wenn die Tiere in Innenräume verbracht werden und die Tageslichtexposition fehlt. ... Nach bisherigen eigenen Erfahrungen reicht bei jungen Mohrenkopfpapageien auch der UV-Anteil handelsüblicher Tageslichtleuchten für eine komplette Umfärbung der Iris bis zu einem intensiven gelben Farbton nicht aus, sie geht maximal bis zu einer weißlich hellgelben Färbung" (S.82). Meine Empfehlung: Wagner, Rudolf K.: Unser Mohrenkopfpapagei. Heimvogel-Haltung und Zucht von Langflügelpapageien. Mit Beiträgen von Lars Lepperhoff, Ittigen, Schweiz und med.vet. Angelika Wedel, Berlin. Verlag Michael Biedenbänder, 2001.
In meinen Augen handelt es sich hierbei um ein Buch, das bei keinem Liebhaber von Langflügelpapageien fehlen darf! Der Autor beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Haltung und Zucht der Poicephalus-Arten und gibt dieses Wissen gut aufgearbeitet an seine Leser weiter. Schöne Bilder und ein optisch ansprechender Aufbau laden zum ausgiebigen Lesen ein. Als besonders aussagekräftig erachte ich dabei Wagners Ausführungen zum Wesen der Mohrenkopfpapageien: Hiermit leistet er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der kleinsten Großpapageien! Wagner legt m.E. allerdings zu großen Wert darauf, das Beißverhalten der Mohren darzustellen (S.31f). Dies kann gerade auf Anfänger in der Mohrenkopfhaltung abschreckend wirken... Kritische Fragen zu Wagners Ausführungen können dabei sein: Beißen Mohren tatsächlich häufiger als andere Papageienarten? Beißen sie grundlos?... Ich wage dies zu bezweifeln! Verwirrend ist es zudem, dass Lepperhoff, der ein eigenes Kapitel in Wagners Buch schreibt, eine andere Meinung in der Haltung der Mohren vertritt als Wagner selbst. Diese Meinung bleibt leider unkommentiert neben Wagners eigener Ansicht stehen. Wer also konkrete Ratschläge von diesem Buch erwartet, bleibt mit vielfältigen Gedankenanstößen auf sich allein gestellt. Sind Handaufzuchten sinnvoll? Sollen Mohren zu zweit gehalten werden? Auf solche Fragen sucht der Neuling in der Mohrenhaltung vergeblich eine Antwort. Schade eigentlich... Dennoch kann das Buch m.E. als das beste Werk im Bereich Mohrenkopfpapageien genannt werden. Wagners Freilandbeobachtungen, seine Anregungen zu einer artgerechten Haltung und seine Ausführungen zur Zucht sind in meinen Augen hervorragend. Das Kapitel über Krankheiten, geschrieben von Wedel, ersetzt jedoch auf keinen Fall eine tiefergehende Beschäftigung mit weiterführender Literatur. Auch Wagners Darstellung der anderen, in Gefangenschaft gehaltenen Poicephalus-Arten kann als gelungen bezeichnet werden und besticht durch wunderschönen Papageienaufnahmen. Trotz der genannten Kritikpunkte handelt es sich bei diesem Buch um eine durchweg lohnenswerte Anschaffung! Meine Empfehlung: Lantermann, Werner: Der Mohrenkopfpapagei. Biologie und Haltung. Horst-Müller-Verlag, 1997.
Das Buch wurde 1997 veröffentlicht: Damals wurden Mohrenkopfpapageien in recht großen Stückzahlen importiert, Nachzuchten in Deutschland waren eine Seltenheit. Lantermann beschreibt den Mohrenkopfpapagei, bei denen es sich also meist um Wildfänge gehandelt haben dürfte, wie folgt: „Als Volieren- und Zuchtvogel stellt er aufgrund seines oft unzulänglichen Wesens die Geduld des Halters vielfach auf eine harte Probe“ (S. 7); Lantermann möchte nun die „Eignung oder Nichteignung als Stuben- und Volierenvogel“ (a.a.O.) näher untersuchen. Das Buch bietet aus heutiger Sicht recht wenig Informationen für die private (Heimtier-)Haltung des kleinen Papageis, da sich die Situation, was Nachzuchten und Handaufzuchten angeht, gravierend verändert hat. Dennoch ist das Buch sehr lehrreich, da es ein wichtiges Zeitdokument darstellt. Sehr positiv empfinde ich Lantermanns klare Worte, was den Wildfang und Import von Mohrenkopfpapageien angeht: „Brutale Fangmethoden und Massentransporte ohne Rücksicht auf Verluste, kräftezehrende Medikamentenbehandlungen während amtlich vorgeschriebener Quarantänemaßnahmen, vielfach fehlerhafte Haltung und mangelhafte Ernährung bei Groß- und Einzelhändlern sorgen bereits vor dem Eintreffen der Vögel beim ‚Endverbraucher’ für zahlenstarke Abgänge. Schätzungen nationaler und internationaler Naturschutzorganisationen zufolge müssen 3 bis 50 Papageien gefangen werden, damit letztlich ein einziger gesund in die Obhut des Liebhabers, Halters und Züchters gelangt“ (S.44J). Die Vögel, die nun also gesund zum Papageienhalter gelangen, werden laut Lantermann schnell wieder abgegeben, „weil sie weder zahm wurden noch sprechen lernten; auch kaum ein Züchter ist offenbar bereit, langfristig eine Voliere mit derartigen ‚Allerweltsvögeln’, die zudem in Menschobhut kaum zu Brut schreiten, zu blockieren“ (S.30). So kommt Lantermann zu dem Fazit: „Der Mohrenkopfpapagei ist nach Ansicht des Verfassers nur sehr bedingt für die Käfighaltung geeignet“ (S.31). Als Gründe benennt er:
Abschließend möchte ich noch auf Lantermanns Ausführungen zur Handaufzucht eingehen: Ebenfalls 1997 geschrieben, geht Lantermann davon aus, dass eine Handaufzucht von Mohrenkopfpapageien nur selten in Frage kommt, da die Vögel zu wenig Prestigewert haben und preislich für den Züchter eher unattraktiv sind. Wie sehr hat sich diese Situation doch geändert! Bei fast allen angebotenen Nachzuchten von Mohrenkopfpapageien handelt es sich heute um Handaufzuchten und der Käufer muss schon genau informiert sein, welche Nachteile eine Handaufzucht mit sich bringen kann. Meine Empfehlung: Hoppe, Dieter; Welcke, Peter: Langflügelpapageien. Ulmer, 1990.
Dieses Buch gibt einen sehr guten und detaillierten Einblick in die Gruppe der Langflügelpapageien (Poicephalus). Ausführlich gehen Hoppe/Welcke auf die einzelnen Arten (wie Braunkopf-, Mohrenkopf-, Kappapagei usw.) ein, natürlich auch mit Beschreibung der jeweiligen Unterarten. Interessant sind zudem die Ausführungen zur Namensgebung der einzelnen Arten! Da das Buch mittlerweile schon fast 15 Jahre alt ist, muss natürlich angemerkt werden, dass viele der hier genannten Daten veraltet bzw. überholt sind, beispielsweise was Nachzuchten, Geschlechtsbestimmung und Freilandbeobachtungen angeht. Dennoch ist das Buch m.E. ein gutes Werk, um sich genauer auf relativ theoretischer Ebene mit Langflügelpapageien auseinander zusetzen. Für die Haltung dieser Tiere als Heimvögel bieten Hoppe/Welcke aus heutiger Sicht jedoch wenig. Interessant für mich ist zudem bei der Lektüre dieses Buches die Tatsache, dass Hoppe/Welcke hier Wissen präsentieren und begründen, das damals bestimmt aktuell gewesen sein mag, das heute jedoch immer noch trotz besseren Wissens weitergegeben wird. So z.B. fragt sich der Vogelhalter häufig, warum in manchen Vogelanlagen als Sitzstangen Vierkanthölzer angeboten werden. Hoppe/Welcke begründen dies damit, dass die Vögel bei Vierkanthölzern einen besseren Stand bei der Kopulation hätten, und diese Hölzer somit in der Fortpflanzungszeit auf jeden Fall gut geeignet seien (S.48). So kommt man Ammenmärchen auf die Spur... Meine Empfehlung: Institut für Papageienforschung e.V. (Hg): Beiträge zum Verhalten des Mohrenkopfpapageien. In der Reihe: Psittacus. Schriftenreihe für Papageienforschung und -schutz. Heft 3. 1993.
Schon relativ alt ist dieses 70-Seiten starke Heft und dementsprechend leider nicht mehr im Buch- oder Zeitschriftenhandel erhältlich. Schade eigentlich, denn das Buch hat im Lauf der Jahre nicht an Relevanz verloren... Wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Mohren, die beobachtet wurden, allesamt um Wildfänge handelt, die auf welchen Wegen auch immer in die Volieren des Institutes für Papageienforschung kamen: Meist wurden sie von enttäuschten Haltern abgegeben... Die Vögel wurden für die hier dokumentierte Beobachtungsreihe in einer Gruppe von 6 Tieren in einer geräumigen teilüberdachten Voliere gehalten. Das Geschlechterverhältnis war ausgewogen (50:50). Die Mohren wurden unterschieden anhand der individuellen Ausfärbung des Brustdreiecks. Ein erstes Kapitel beschäftigt sich recht kurz und knapp mit der allgemeinen Systematik und Biologie des Mohrenkopfpapageis (Beschreibung, Vorkommen und Lebensweise). Interessant wird es ab zweiten Kapitel: Beobachtet und beschrieben werden hier Verhaltensweisen aus den Bereichen des Ruhe- und Schlafverhaltens, des Komfortsverhaltens (Putzen, Baden), der Fortbewegung und der Nahrungsaufnahme. Im dritten Kapitel wird das Putzverhalten der Mohrengruppe näher beobachtet und beschrieben: Wie putzen sich die einzelnen Tiere? Wo tun sie es? Wann findet die Gefiederpflege statt? Wird langsam oder schnell geputzt?... Die Gruppenaktivitäten und die Rangordnung wird im vierten Kapitel näher thematisiert. Wer darf mit wem an die Futterstelle? Welche Vögel sind dominant? Welche bilden das breite Mittelfeld? Welcher Vogel hat die Buhmann-Rolle? Wie äußert sich dominantes/aggressives Verhalten? Was ist Defensivverhalten, wie sieht es aus? Insgesamt ist das Büchlein recht schwierig zu lesen, da relativ wissenschaftlich. Dennoch ist es gerade für ambitionierte Mohrenhalter recht interessant, denn man findet das eine oder andere beschriebene Verhaltensmuster doch bei seinen eigenen Vögeln wieder. Meine Empfehlung: |







