Poicephalus
| Handaufzucht / Naturbrut |
Reinschmidt, Matthias: Kunstbrut und Handaufzucht von Papageien und Sittichen. Arndt, 2000.
Wie Reinschmidt im Vorwort des Buches festhält, wollte er ein "Grundsatzwerk" über das Thema 'Kunstbrut und Handaufzucht' für den deutschen Buchmarkt schreiben. Diesem Ziel wird das Buch auf jeden Fall gerecht! Es wendet sich sowohl an Vogelhalter, die zum ersten Mal eine Handaufzucht vornehmen, als auch an fortgeschrittene Züchter. Durch die sinnvolle Gliederung der Kapitel, die vielen erklärenden Fotos und die Sprache, mit der Reinschmidt die Fachtermini für Laien erklärt, ist dem Autor dieser doppelte Anspruch absolut gelungen. Generell gewichtet Reinschmidt immer zugunsten der Naturbrut und der Elternaufzucht: "Ist man in der glücklichen Lage, ein zuverlässiges Brutpaar zu haben, so sollte man diesen Vorteil auf jeden Fall nutzen und die Eier in Naturbrut erbrüten lassen" (S.15). "Ein Grundsatz vorweg: Die Naturbrut ist immer vorzuziehen" (S.45). Ein unzuverlässig brütendes Elternpaar oder ein Paar, das die Jungvögel nicht adäquat versorgt, machen laut Reinschmidt die Entnahme der Eier bzw. der Jungvögel in die Handaufzucht aber häufig notwendig. Weitere Gründe für eine Entnahme in die Handaufzucht benennt Reinschmidt wie folgt: plötzlicher Tod eines oder beider Elterntiere, zu große Gelege, bei denen das jüngste Küken nicht mehr genügend Futter bekommt, Wegnahme der Eier oder der Jungtiere, um ein Nachgelege zu provozieren, Handaufzucht für den Heimtiermarkt. Der Autor erörtert in seinem Buch leider nicht den moralischen Aspekt von Kunstbrut und Handaufzucht bzw. mögliche Folgewirkungen für Eltern- und Jungvögel. Sein Buch ist vielmehr als praktischer Leitfaden in punkto Handaufzucht und Kunstbrut anzusehen. Meine Empfehlung: Wagner, Rudolf K.: Handaufzucht von Papageien. Ein Handbuch und Ratgeber. Verlag Michael Biedenbänder, 1999.
Wie der Autor im Vorwort verdeutlicht, ist dieses Buch, das erstmals 1998 erschien, "aus der Not geboren" (S.6), da zum damaligen Zeitpunkt keinerlei deutsche Bücher zum Thema Handaufzucht existierten. So entschloss sich Wagner aus der vorliegenden englischsprachigen Literatur, den deutschen Veröffentlichungen zum Thema und seinen Informationen aus den Gesprächen mit Züchtern ein eigenes Werk zu schreiben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ziel des Buches ist die Vermittlung von "Basiswissen als Voraussetzung für die Handaufzucht" (S.6). Was mir sehr gut an diesem Buch gefällt, ist die Tatsache, dass Wagner nicht nur Gründe für die Notwendigkeit einer Handaufzucht benennt, sondern darüber hinaus auch Kritik an derselben übt: Angefangen bei der Fehlprägung der Küken bis hin zum Scheitern von Verpaarungsversuchen - Wagner versucht schon auf den ersten Seiten seines Buches, für die negativen Seiten der Thematik zu sensibilisieren. Der Autor sucht zudem nach Gründen für die unzureichende Versorgung der Eier bzw. der Küken durch die Elternvögel - er bleibt also nicht bei der Konstatierung dieses Sachverhaltes und der Folge - nämlich der Handaufzucht - stehen! Vor allem die Zwangsverpaarung und die damit verbundene Disharmonie zwischen dem Elternpaar können hier laut Wagner für ein nicht adäquates Elternverhalten benannt werden. Dahinter verbirgt sich m.E. Kritik an der gängigen Papageienhaltung und -zucht und der indirekte Appell, Handaufzucht durch eine Optimierung der Haltungsbedingungen zu vermeiden. Vom fachlichen Aspekt bleibt das Buch klar hinter dem von Reinschmidt zurück; die schönen Fotos und die ernsten Worte des Autors zum Thema Handaufzucht machen dies jedoch m.E. wieder wett. Meine Empfehlung: |



