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Bücherliste zur Papageienhaltung
Einführung in die Papageienhaltung

Schallenberg, Karl-Heinz: Weiß der Geier?! Tipps und Tricks für Papageienhalter.

Dieses Buch ist im Selbstverlag erschienen und weist leider weder Erscheinungsort noch -jahr auf. Doch diese Kleinigkeiten übersieht man gerne, wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Liebe und welchem Einsatz Schallenberg hier für eine möglichst artgerechte Haltung der Papageien und Sittiche kämpft!!! Sein Buch ist m.E. gerade für Anfänger in der Papageien- und Sittichhaltung geeignet, bietet es doch einen wirklich gelungenen Rundumschlag über Volierenbau, Bau eines Kletterbaumes, Pflege/Hygiene bis hin zur Ernährung und Krankheitserkennung. 
Das Buch hat aber auch für Kenner in der Papageienhaltung einiges zu bieten: Eine Anleitung zur Herstellung von Knabbersticks und -zapfen bzw. zur Herstellung von eigenen Mineralsteinen erfüllt auf jeden Fall das Leitthema, unter dem dieses Buch steht: 'Kostensparende Tipps zur artgerechten Haltung und Ernährung'.

Meine Empfehlung:

Low, Rosemary: Papageien sind einfach anders. Eigenheiten verstehen und Verhaltensprobleme lösen. Ulmer, 2001.

Der Titel des Buches lässt viel erwarten - der Inhalt allerdings wird diesem Titel m.E. einfach nicht gerecht. Im ersten Teil des Buches geht Low darauf ein, welche Faktoren das Verhalten eines Papageis beeinflussen. Die einzelnen Punkte, die Low anführt, sind bestimmt absolut richtig; sie werden von der Autorin allerdings nur mit Allgemein-Phrasen und inhaltsleeren Worten dargestellt. Schade eigentlich... Im zweiten Teil des Buches versucht die Autorin das Wesen der Papageien darzustellen, indem Stichworte wie Tagesaktivitäten, Brutverhalten, Flugkünstler etc. mit vielen Worten künstlich aufgebläht werden. Klar ist auch, dass sich Low hier ein zu hohes Ziel gesetzt hat, denn das Wesen aller Papageien zu beschreiben, kann ja schon vom Ansatz her nur in einer Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen enden. Das dritte und umfangreichste Kapitel geht der Frage nach 'Warum benimmt sich mein Papagei so?'. Ähnlich wie beim Dr.Sommer-Team geht Low auf Anfragen von Papageienhaltern ein und beantwortet diese. Als Beispiel sei folgende Anfrage genannt: Ein homosexuelles Paar meint heraus gefunden zu haben, dass ihre Amazone zwischen homosexuellen und heterosexuellen Männern unterscheiden kann. Zitat: "...[also] benutzten wir Lorre dazu, herauszufinden, ob manche Männer wirklich heterosexuell waren." Low geht auf diese m.E. lächerliche Anfrage ein, indem sie darauf hinweist, dass dies eine pure Vermenschlichung sei, da Papageien nicht in einer "Welt menschlicher, sexueller Moral" leben würden (S.101). In diesem Stil werden weitere, zugegeben nicht mehr ganz so lustige Anfragen beantwortet. Sämtliche Anfragen an Low werden von Haltern eines einzelnen Papageis vorgebracht. Von Low selbst kommt nie der Vorschlag, das Tier zu verpaaren. Auf S.89 geht sie unter der Überschrift 'Paarungsverhalten' davon aus, dass ein zweiter Vogel unter Umständen mehr Probleme bereiten als lösen würde. Bei Begattungsversuchen des Papageis mit der Sitzstange bittet Low den Besitzer dies zu ignorieren; es höre ganz von selber auf, wenn die Hormone wieder ins Lot kämen. Wird man von seinem Vogel gefüttert, interpretiert Low dies als den größten Liebesbeweis, den uns der Vogel machen kann (S.80): "Es ist eine Art Kompliment, das man akzeptieren sollte." Weiter unten auf derselben Seite gibt die Expertin folgende Erklärung: "Es gibt Papageien, die statt ihres Besitzers ihr Lieblingsspielzeug zu füttern versuchen." Fast müsste man lachen, wenn es nicht so traurig wäre... Bei solcher Literatur kann man nur den Kopf schütteln. Finger weg!

Keine Empfehlung:

Wolter, Annette: Papageien richtig pflegen und verstehen. 4. Auflage: GU, 2002.

Dieses Buch wendet sich an Anfänger in der Papageienhaltung. Da dieses Buch in fast allen Zoofachgeschäften ausliegt und aufgrund seines Preises wahrscheinlich auch von vielen Interessenten gekauft wird, möchte ich gerne näher darauf eingehen. Das Buch legt nicht ausdrücklich nahe, dass Papageien nur paarweise bzw. in der Gruppe gehalten werden sollen. Vielmehr vermittelt das Buch, dass es schon in Ordnung ist, einen Papagei einzeln zu halten, wenn man ihm täglich mindestens drei Stunden seiner Zeit widmet und sich intensiv mit ihm beschäftigt (S.8). Falsch!!! Auch bezüglich des Käfigs vermittelt Wolter falsche Kenntnisse: Für Amazonen beispielsweise empfiehlt sie ein Modell von 100*50*150 cm (l*b*h). Diese Maße sind natürlich unrealistisch, da viel zu klein. Auf diese Weise lassen sich viele Kritikpunkte an Wolters Buch finden, die einer artgerechten Papageienhaltung widersprechen... Absolut verwerflich sind natürlich auch die Ausführungen Wolters zum Flügel-Stutzen: Obwohl sie sich auf S.25 zu einem seichten 'Nein' hinreißen lässt, erwähnt sie dennoch Vorteile (wie Vogel unter Aufsicht im Garten klettern lassen) und erdreistet sich auf S.28 sogar, eine Anleitung zum Stutzen des Flügelgefieders zu geben. Wolters Ausführungen zum Schreien sind genauso haarsträubend: Die Vögel würden nicht schreien, wenn sie zufrieden sind. Lediglich zur Durchsetzung ihres Willens würden zufriedene Papageien schreien. Hier empfiehlt Wolter das Abdecken des Käfigs. Dass Schreien eine normale Lautäußerung dieser Tiere darstellt, scheint die Autorin zu übersehen... Obwohl Wolters Buch einige gelungene Teile enthält, können diese den Gesamteindruck, den das Büchlein vermittelt, nicht relativieren. Deshalb: meine Empfehlung - keine Empfehlung!

Keine Empfehlung: